15.07.2019

Briefe



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ID: 13018 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 19.09.1893
 

Bern, den 19. September 1893.

Lieber Johannes,

noch habe ich Dir nicht gedankt für den reizenden Geburtstagsgruß; wie sind die zwei Stücke wieder so ganz originell, das zweite mir besonders lieb! Leider konnte ich sie nur ein paarmal durchspielen, da das Zimmer, worin das Klavier stand, wenig Sonne hatte, und ich eine heftige Erkältung bekam, so daß ich nicht mehr hinein durfte. Das klingt Dir gewiß recht zimperlich, aber was ist zu tun, wenn der Körper nicht mehr will. Es ist recht traurig! Wir reisten Sonntag ab, wollten uns Bern 'mal gründlich ansehen, gestern ging es noch, ich konnte auch Widmanns besuchen, was mir eine Freude war, heute aber liege ich auf dem Sofa, mit der Sehnsucht hinaus, wir hatten eine Spazierfahrt geplant, aber ich kann mich vor rheumatischen Schmerzen kaum bewegen. Dabei ist das Wetter so herrlich - eine wunderbare Stadt ist das Bern - wir sehen sie vom Hotel aus vor uns liegen. Und wie reizend wohnt Widmann, wie nett gemütlich ist's da im Hause! Sein Stück haben wir mit großem Interesse wiederholt gelesen.

Morgen hoffen wir nach Baden abreisen zu können, obgleich ich die Schweiz mit schwerem Herzen verlasse - wer weiß, ist es nicht das letztemal, daß ich hier bin!

Vor allem nun noch 'mal Dank, lieber Johannes, und herzlichste Grüße von uns dreien.

Deine alte

Clara.

Wir denken vom 27. an zu Haus zu sein.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Bern
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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