15.07.2019

Briefe



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ID: 13033 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 28.10.1893
 

Frankfurt a/M d. 28 Octbr. 93
Liebste Marie,
gerade hatte ich diese Tage mir vorgenommen, an Sie zu schreiben nach Büdesheim, da kommt heute Ihr lieber Brief von Florenz. Wie gönne ich Ihnen diese Ausspannung nach so sorgenvoller Zeit! ich sage, Gott sei Dank, daß Ihre liebe Schwiegermutter wieder in Berlin ist, da hat sie doch ihren Arzt – ist das nicht ein sehr wichtiger Punkt bei solcher Krankheit? Sie müssen ja auf dem Lande in steter Angst sein, daß etwas passieren könnte, u. der Arzt nicht gleich bei der Hand wäre!
Ach, wer doch das herrliche Florenz mit genießen könnte! wir hatten es leider das eine Mal, wo wir da waren, nicht glücklich getroffen, die Luft war immer dunstig. Ob Sie wohl Hildebrand sehen? – Grüßen Sie Diesen und auch seine Frau herzlichst.
Mit der armen Goring ist es leider wahr – Sie können denken, wie auch wir erschüttert waren! sie sollte gerade eine schöne Stellung in einer Familie als Lehrerin der Kinder antreten, da starb sie, nach allen Opfern und Sorgen der Mutter, ganz plötzlich. Sie sah ja nie gesund aus, aber, dennoch konnten wir es auch kaum fassen.
Herzlich freuen wir uns, Sie im Nov. wieder zu sehen, vor allem aber jetzt mit Ihnen und Ihrem lieben Manne Ihrer Genüsse! –
Getreu Ihre
Clara Schumann

Es geht mir gar nicht gut, ich leide vielerlei.

[Umschlag]
Madame la Comtesse
Marie de Oriola
Florenz
Hôtel Europe.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 637f.
 



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