23.11.2019

Briefe



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ID: 13129 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 24.05.1893
 

Frankfurt, den 24. Mai 1893.

Lieber Johannes,

fürerst Dank für den lieben Brief, der mich so herzlich erfreut hat, dann für das schöne Bild, das mir mit den reizenden Illustrationen besondere Freude macht. Ich finde zwar das Hanfstenglsche geistiger im Ausdruck, aber doch auch dieses (besonders etwas entfernt) sehr ähnlich, und daß Du es mir senden ließest, ist nicht die geringste Freude daran. Also herzlichsten Dank. Ich lege eine Zeile an den Herrn Michalek bei, bitte Dich, sie ihm zukommen zu lassen, da er mir keine Adresse schrieb.

Wie herrlich muß Deine Reise gewesen sein, und in so netter Gesellschaft! Aber erschüttert hat mich Widmanns Unglück, und der Gedanke mich vielfach beschäftigt, ob denn wohl jemand bei ihm geblieben ist? Er liegt nun wohl noch immer in Neapel? Wie schrecklich. Ich hätte ihm so gern ein paar teilnehmende Worte geschrieben, aber wohin? Ich kenne seine Adresse, auch die in Bern, nicht. Schreibst Du ihm, so sage ihm ein Wort von mir. Wie kam er nur in den Lagerraum? Da geht man doch nicht hinunter! -
Dein Geldverlust war auch ärgerlich, aber gegen solches Geschick hilft die Philosophie. -

Wir sind hier wieder ganz im alten Geleise, und das ist gut, denn das Bummelleben taugt mir gar nicht. Die Pfingsttage verbrachten wir in Schlangenbad, um dort Wohnung für den Juli zu suchen. Das ist ein reizender Ort, man ist überall gleich im Walde, weshalb ich namentlich hingehe. Eugenie wird dort zu uns stoßen, und wir zusammen im August wohl wieder nach Interlaken gehen. Du rüstest wohl schon zu Ischl? Schade, daß dort die Luft so erschlaffen ist, gewiß auch nicht die richtige für Ilona [Eibenschütz].

Den Anhang-Band habe ich noch nicht bekommen. Mit der Rücksendung der Manuskripte beeile Dich nicht, und solltest Du das eine oder andere gern zu Deinen sonstigen Autographen legen, so lasse ich es Dir mit Freuden.

Die Musikfeste sind nun vorüber, ich bin froh, denn während der Zeit des Bonner Festes besonders fühlte ich doch mit Wehmut, daß ich nicht mehr dabei sein kann, wo ich doch eigentlich hingehöre. Freilich es wäre mir wohl zu allen Zeiten etwas viel geworden.

Das Düsseldorfer Fest hatte gar wenig Anziehendes, und das ganze Musikfest-Getriebe widerte mich schon längst an. Sollte ich den Namen des Malers nicht richtig entziffert haben, so schicke mir das Briefchen zurück. Man schreibt doch nicht gern jemandes Namen (wenn er einen solchen hat - ich meine einen besonderen) falsch.

Ich schließe mit unseren sehr herzlichen Grüßen, und bin getreuest

Deine

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 

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