15.07.2019

Briefe



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ID: 13177 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 18.04.1895
 

Frankfurt a/M d. 18 April 95.
Liebste Marie,
wir lebten die vergangenen Tage in solch ’nem Troubel, daß ich nicht zum Schreiben kam, unser Thelegramm wird Ihnen aber gesagt haben, daß wir in Treue Ihrer gedachten. Oft sprechen wir von Ihnen, Liebste, und beklagen Ihr so langes Fernbleiben. Diesmal hoffte ich nun ganz gewiß mit Eugenie zu Ihnen nach Büdesheim kommen zu können, aber immer sind Sie abwesend! Möge Ihnen das neue Jahr nur Gutes bringen, liebe theuere Marie, ein freudigeres werden, als es das Vergangene war, das Ihnen zwei der liebsten Menschen raubte! wie tief werden Sie und Ihr lieber Mann diese Lücke oft empfinden! ach aber, wir leben ja um zu verlieren! –
Eben kommt Ihr Thelegramm, gar zu lieb ist es von Ihnen, daß Sie uns heute Ihr Gedenken empfinden lassen in so lieber Weise! –
Von uns giebt es Manches zu erzählen, Manches was das Herz durchgekämpft, was das Alter mit sich bringt an Schwerem, und von Freudigem aber auch! Ich muß mir alles versparen, bis wir Sie sehen, darauf freut sich aber von ganzem Herzen
Ihre
alte
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 647f.
 



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