15.07.2019

Briefe



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ID: 13209 Brieftext


Geschrieben am: Montag 12.08.1895
 

Meine Theure Elise,
hab Dank für deinen lieben theilnehmenden Brief. Der Tod der theuersten, beinah ältesten Freundin hat mich tief ergriffen, und, hatte ich sie bei meiner letzten Anwesenheit auch körperlich sehr gebrechlich gefunden, so war mir ihr Tod doch sehr ungeahnt (?), war sie doch eben noch von Kiel zurückgekehrt, allerdings aber dort viel unwohl gewesen, und auch zu Hause war sie viel leidend, ihr Tod aber sanft. Alle ihre Kinder waren noch bei ihr, auch Felix mit seiner Frau, was ihr eine besondere Freude noch war. Für Rosalie ist der Verlust am allerschwersten denn sie lebte in fast täglichem Verkehr mit Lida, und vermißt sie furchtbar, denn wohl Niemand konnte ishc so in sie versetzen, war so wahrhaft liebevoll für Rosalie, schon um ihres Uglücks halber. Sie hatte ja ein Herz wie Gold, Theilnahme für Jeden, und ich glaube sicher, daß es nur das Wohlwollen für die Menschheit überhaupt war, was sie nach dem Tode des Mannes noch erhielt. Der Gemeinnützigkeit und den Ihrigen und Freunden gehörten ihe Gedanken u. ihre Kräfte. Ein seltenes Wesen ist mit ihr zu Grabe gegangen. Ich kann noch immer kaum etwas anderes denken, und augenblicklich kommt es mir vor, daß das Haus nun, in welchem wir so viele glückliche u. erhebende Stunde genossen für immer für uns verschlossen sein soll! [...]

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Sommerhoff, Elise, geb. Schumann, Elise (3154)
  Empfangsort:
 



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