15.07.2019

Briefe



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ID: 13239 Brieftext


Geschrieben am: Montag 25.11.1895
 

Frankfurt a/M d. 25 Nov. 1895,

Meine theuere Emma

eben war Deine liebe Enkelin bei mir, und brachte mit Deinen lieben Grüßen aber auch die schlimme Nachricht Deiner Operation, die mich recht sehr erschreckte. Genaues über das Leiden wußte sie mir aber nicht zu sagen – später erfahre ich es wohl durch Dich!? Du arme, liebe Dulderin, ach, wie betrübt es mich daß Du so viel durchmachen mußtest, und dazu Louise noch krank daliegen hast! es ist doch gar schrecklich, was zu Zeiten manchmal Alles über Einem kommt! Ich hoffe aber, mit Gottes Hülfe sieht es bald wieder besser bei Euch, und besser bei uns aus! Marie liegt mir jetzt schon 3 Wochen an Ischias und es kann noch, wie sie selbst sagt, Wochen dauern, ehe sie ganz wohl wieder ist. Was es für mich ist, die ich so an ihre fortwährende Nähe gewöhnt bin, sie jetzt so viele Stunden lang doch entbehren zu müssen, kannst Du Dir wohl denken. Sie sorgt ja von ihrem Bette aus fortwährend für mich, aber im Wohnzimmer <> <>fehlt <> sie doch immer, auch bei den Mahlzeiten. Natürlich sitze ich jede freie Minute an ihrem Bette, schreibe auch diese Zeilen, ihr liebes Gesicht vor mir, und eben ruft sie mir innigste Grüße und Wünsche für Dich zu. – Ich selbst habe einen Unterleib-Katharr 5 Monate verschleppt gehabt, bis er vor 2 Monaten so arg wurde daß ich medicinieren mußte, und große Diät halten. Das Leiden ist jetzt etwas besser, aber der ganze Körper davon so mitgenommen, daß ich mich oft recht elend fühle. Trotzdem konnte ich aber meine, und einen Theil von Mariens Stunden, geben, was mir eine große Beruhigung für Marie gab, der ihre Schüler eine große Sorge waren. Jetzt seit 2 Tagen giebt sie die Stunden wieder (auf ihrem<> Chaise longue, an’s Clavier gerückt), und verträgt es ganz gut, ist überhaupt, die Schmerzen abgerechnet, ganz wohl, arbeitet was man im Bett nur irgend ermöglichen kann. Solche Zeiten schlagen Einem aber im Alter recht nieder, und man muß alle moralische Kraft zusammennehmen, und Gott danken, daß es nicht schlimmer steht.
So denke ich mir Dich denn sehr ergeben mit Deinem frommen Herzen, Du Liebe, Gute! laß mich bald durch irgend Jemanden wissen, wie Deine Besserung fortschreitet. Der Himmel sey mit Dir und den lieben Deinen, u. gebe, daß die liebe Louise bald wieder wohl sey, damit sie Dir mit Stütze sein kann in dieser schweren Zeit.
Leb wohl, Du Theuere, und sey zärtlichst umarmt von Deiner
alten treuen
Clara.

P.S. Wie freute mich Deine Enkelin ’mal wieder zu sehen – wie wird sie ihrer Mutter so gleich! –

[Umschlag]
Frau
Emma Preußer.
Dresden.
16 Lüttichaustraße.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Preußer, Emma (1204)
  Empfangsort: Dresden
  SBE: II.15, S. 366ff.
 



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