19.12.2019

Briefe



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ID: 13371 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 02.12.1855
 

Sontag Abend

Zwei Mal war ich heute auf dem Bahnhofe Sie, lieber Freund, zu begrüßen, und nun kommen Sie spät Abends, und habe ich kein gemüthliches Stündchen mehr mit Ihnen heute. Ich hatte schon einen traulichen Caffee zurecht gesetzt, als ich Sie um 2 Uhr zu holen hoffte. Werden Sie im Hôtel de Baviere bleiben? Redslob ist vor einigen Tagen gestorben, ich wollte Ihnen dies nur sagen, wenn etwa persönliche Rücksichten Sie bestimmen sollten dort zu bleiben. Wäre es nun nicht angenehmer (für mich nämlich) Sie blieben in der Stadt Rom? mehr in meiner Nähe? dann könnte ich Sie z. B. vielleicht gleich Morgen Früh um 9 Uhr <> zum Caffee bei mir allein erwarten? Dr Härtel wird sehr betrübt sein, daß Sie so spät kommen; es ist nämlich heute der Jahrestag der Einweihung seines Hauses, und da ist ein Liederkränzchen außerdem noch Freunde bei Ihm. Er hatte sich nun sehr gefreut, daß ich Ihm versprach Sie zu veranlassen mit hin zu kommen, nun aber kommen Sie so spät, vielleicht sehr ermüdet noch von gestern! ich wage nicht zu bitten, aber es wäre recht eine Freude, wenn Sie wenigstens noch zum Abendbrod kämen. So gern sagte ich Ihnen heute noch „guten Abend“ – sollte es aber nicht sein können, so lassen Sie mich Ihnen wenigstens recht bald „guten Morgen“ wünschen. Herzlichst Ihre Clara Sch.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort: Leipzig
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
232f.
 



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