19.12.2019

Briefe



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ID: 13748 Brieftext


Geschrieben am: Montag 28.05.1849
 

Kreischa d. 28 Mai 1849.

Lieber Herr Wenzel,

Sie mögen wohl denken, was mag die wollen! es ist aber auch eine Bitte, die mich zu Ihnen führt. Immer dachte ich selbst nach Leipzig zu kommen, da dies jedoch jetzt nicht geschieht, so weiß ich Niemand, Dem ich meine Commission so gern anvertraute, als Ihnen. Ich soll nämlich für den Kapellmeister Kiel in Detmold ein tafelförmiges Pianoforte mit deutscher Mechanik in dem Preise von 120 bis höchstens 150 Thaler von Irmler aussuchen, und ersuche Sie nun freundlichst desselbe zu thuen, und zwar sobald als möglich, und Irmler zu bitten, daß er es augenblicklich an diesen Mann nach Detmold abschickt. Sie suchen gewiß ein schönes Instrument aus, im Uebrigen aber, sollte etwa Irmler nicht anders als pränumerando auf den Handel eingehen, bitten Sie ihn, daß er sich mit Kiel direct in Correspondenz setzt, im anderen Falle aber <> der augenblicklichen Zahlung gewärtig sein kann. Wie geht es Ihnen sonst? besuchen Sie uns nicht einmal diesen Sommer? wollen Sie nicht mit Dr. Reuter einige Tage hierher nach Kreischa kommen? das wäre recht schön! hier ist es himmlisch, und haben wir nie das Frühjahr schöner genossen, als gerade dieß Jahr inmitten aller Wirren der Außenwelt. Es ist, als ob gerade das Schreckliche von außen ganz entgegengesetzte poetische Empfindungen in meinem Manne erregte, denn gerade in letzterer Zeit hat mein Mann die lieblichsten, friedlichsten Lieder „Jugendlieder-Album“ gemacht, wo Jeder glaubte, er würde sich in den fürchterlichsten Schlacht-Symphonien <ergeh> auslassen! – Bitte, wollen Sie Dr. Reuter schönstens von uns grüßen, und ihm obigen meinen Vorschlag zu einem Besuche machen. Wir lassen ihm auch für seine Briefe danken, doch, daß er ein solcher Erz-Aristokrat ist, hätte ich nicht gedacht, und hat mich verblüfft! – Robert grüßt Sie, lieber Herr Wenzel, recht herzlich mit mir
Ihrer
ergebenen
Clara Schumann.

NB: Wir bleiben hier wahrscheinlich noch bis Ende nächster Woche - 8 Tage aber jedenfalls noch. Es wäre mir lieb ließen Sie mich einige Worte wissen, ob die Sache besorgt ist! kommen Sie nicht Selbst, so vielleicht durch Whistling oder Reuter? –

Herrn
Herrn Wenzel
in
Leipzig.
d. G.13

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Kreischa
  Empfänger: Wenzel, Ernst Ferdinand (1690)
Empfangsort: Leipzig
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
881f.
 



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