19.12.2019

Briefe



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ID: 13800 Brieftext


Geschrieben am: Montag 09.04.1894
 

Frankfurt a/M d. 9 April 94
Meine liebe Lida,
nur ein Dankes-Wort für Ihren lieben Brief, der mich innigst erfreut hat. Viel sind meine Gedanken noch in Düsseldorf bei Ihnen und Rosalien, und es ist mir so wohlthuend, ’mal wieder etwas mit Ihnen gelebt zu haben, weiß ich mich doch wieder lebhafter in Sie zu versetzen. Traurig ist es aber doch, wenn man von den liebsten Freunden getrennt lebt, man theilt nicht die kleinen täglichen Sorgen und Freuden, und das ist doch ein Verlust! ich meine, es giebt immer eine Lücke! Doch, das sind so Reflectionen, die Sie gewiß mir widerlegen. Im Grunde des Herzens war es mir eine große Freude Sie Beide zu sehen, u. so rüstig zu finden. Hier erwarteten mich gleich wieder erregende Nachrichten: Frau Lazarus ist 81 Jahr alt gestorben, und die arme Sauermann hat ihren ältesten Sohn krank an Lungenentzündung! das Unglück wäre entsetzlich verlöre sie diesen Sohn! Denken Sie, am Morgen vorher, ehe wir zurückkamen, brannte es hier in einem [neuen] Hause, u kamen dabei sechs Personen von einer Familie, die im 3ten Stock wohnten, um, (der Mann war in Zürich), Frau, Großmutter, Töchter ect. außerdem 3 Dienstmädchen, die oben in Mansarden schliefen. Die Feuerwehr kam spät und ohne Rettungs-Apparate, weil sie ein kleines Feuer zu finden glaubten, u, wodurch Alles das? durch Umfallen einer Petroleum-Lampe im Parterre [Nachts am Bett]. Es hat von unten heraufgebrannt, die Treppen ganz fort. Entsetzlich ist es. Ich erfuhr es erst gestern, und schlief fast die ganze Nacht nicht vor Aufregung. Man sollte doch immer, schon im 2ten Stock, so einen Rettungssack haben – ich will gleich Einen anschaffen. Der Mensch ist doch gar zu leichtsinnig! –
Nun aber schließe ich! ich fand wieder viele Briefe vor, habe viel zu thuen, und das ist gut!
Haben Sie Dank meine Theuere, für alle Liebe, grüßen Sie Rosalie, und Agnes, auch Maria, und seyen Sie umarmt in treuer Freundschaft von
Ihrer
alten
Clara.

Marie und Eugenie grüßen sehr herzlich – Letztere ist recht munter.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Bendemann, Lida (176)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
473ff
 

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