19.12.2019

Briefe



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ID: 13899 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 07.10.1856
 

[Auszug RSA IV/3/1,2, S. 203:]

[...] Für meine traurige Gemüthsstimmung ist es überhaupt wohl besser, daß ich jetzt nicht nach Leipzig komme, ich ertrüge wohl kaum das Concert für meinen theueren Mann, und das öffentlich spielen würde mir in Leipzig jetzt doppelt schmerzlich sein. [...]


Düsseldorf d. 7. Octbr. 1856.

Lieber Herr Doctor,

schon seit längerer Zeit stand ich mit Frankfurth wegen eines passenden Zeitpunktes zu Concerten in Unterhandlung, und nun hat es sich leider entschieden, daß ich < > entweder Ende October d. h. vom 20ten an kommen muß, oder gar nicht vor Weihnachten, weil ich vom 10 Nov. bis gegen Weihnachten in Kopenhagen Engagements angenommen habe. Also, sehe ich < > ┌meine┐ Kinder und meine lieben Freunde in Leipzig jetzt nicht. Aber zugleich frage ich Sie, ob es der Direction vielleicht recht ist, wenn ich im Neujahrsconcerte 1 spiele? das könnte ich schon jetzt sicher versprechen, denn meine Kinder besuche ich doch jedenfalls nach Weihnachten. Für meine traurige Gemüthsstimmung ist es überhaupt aber wohl besser, daß ich jetzt nicht nach Leipzig komme, ich ertrüge wohl kaum das Concert für meinen theueren Mann, und das öffentlich spielen würde mir in Leipzig jetzt doppelt schmerzlich sein. Eine Bitte habe ich nun wieder, lieber Herr Doctor, und zwar einige Werke meines Mannes. Das Concert in A moll (mein Exemplar) ist so zerrissen und grau geworden, daß ich gern ein Neues (aber ohne Orchesterstimmen) hätte; ferner ist mir die Klavierstimme des Dmoll Trio in London nach einer meiner Soireen, wo ich es gespielt hatte, abhanden gekommen, und dann hätte ich so gern die 2te Sonate mit Violine, die ich immer, wenn ich sie spielen will, in einem dicken Buche mitschleppen muß. Sie verzeihen mir gewiß auch heute, wie so oft schon.
< > Und nun, noch eine Bitte: ich habe hier ein tafelförmiges Instrument, das ich meinen Kindern Ende Octbr. schicken will, weil mir die Miethe doch gar schwer wird zu zahlen. Würden Sie nun wohl die große Güte haben es, wenn es ankömmt, durch Ihre Leute auspacken und bei Frau Hoffmann aufstellen zu lassen? im Falle Ihrer Zusage schreibe ich dann an Frau Hoffmann, daß sie sich an Sie wendet. Für Ihre große Güte mit den Kindern (wegen der Concerte) tausend Dank. Den lieben Ihrigen herzlichste Grüße wie Ihnen Selbst von Ihrer treu ergebenen
Clara Sch.

Welche Stücke sollen am 23ten zur Aufführung kommen?
Ließe sich nicht vielleicht im Neujahrsconcert ein Chorwerk, etwa „des Sängers Fluch“ von meinem Manne aufführen? oder das noch ungedruckte Neujahrslied?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Härtel, Hermann (617)
  Empfangsort:
  SBE: III.9, S. 43ff.
 



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