19.12.2019

Briefe



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ID: 13905 Brieftext


Geschrieben am: Montag 24.09.1866
 

Baden-Baden d. 24 Septbr. 1866
Lichtenthal Nro 14.
Verehrter Herr Radecke,
ermuthigt durch Frau Rudorff wende ich mich mit einer Anfrage an Sie. Ich habe nämlich meinen zweiten Sohn Ferdinand in Berlin in das Banquier-Geschäft des Herrn Plaut als Lehrling eintreten lassen; nun liegt mir aber so sehr viel daran, daß er in einer netten Familie wohnt, wo er in dem Umgange mit Derselben auch geistige Anregung fände. Ich schrieb deshalb an Frau Rudorff, die mir rieth ’mal bei Ihnen anzufragen, da Sie eine so sehr ausgebreitete Bekanntschaft hätten. Meine Mama würde Ferdinand sehr gerne nehmen, jedoch wünsche ich daß er in einer Familie wohnt, wo er, neben einer weiblichen Sorge für ihn, auch den Umgang eines Mannes findet. Er bedarf nur eines ganz kleinen Zimmerchens, da er ja nur des Sonntags da ist, in der Woche Abends 8 Uhr, auch oft später, nach Hause kömmt. Natürlich müßte das Zimmerchen aber heizbar sein, und so, daß er doch darin arbeiten kann. Er ist ein guter Junge, sehr ordentlich (pedantisch fast) und würde, glaube ich, der Frau vom Hause wenig Last bereiten. Was nun den Preis betrifft so kann ich freilich schwer über 20 Thaler per Monat (Alles inbegriffen) gehen, und müßte dafür auch eine kräftige Kost, aber ganz einfach sonst, verlangen denn der Junge wächst sehr und arbeitet viel. Seine Leibwäsche würde ich aber extra bezahlen natürlich, das Logis [immer] 1/4 Jahr pränummerando. Meine Frage an Sie ist nun die, ob Sie Jemand kennen, der sich darauf einließe? Sie können denken, wie mir die Sache am Herzen liegt! Bitte, lieber Herr Radecke sagen Sie oder Ihre liebe Frau, die ich herzlich grüßen lasse, mir recht bald ein Wort hierauf! die Zeit drängt, ich hätte so gern, daß sich zum 1t Octbr. etwas fände. Ist es nichts, nun, so behilft er sich auch wohl etwas länger. Verzeihen Sie, daß ich Sie belästige, doch immer haben Sie sich mir so freundlich erzeigt, daß ich es wagen zu dürfen glaubte, und, Sie sind jetzt ja auch Vater, und können mit mir fühlen, wie Einem solch ein Kind am Herzen liegt.
Seyen Sie herzlichst gegrüßt von Ihrer Ihnen aufrichtigst ergb Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Radecke, Robert (1220)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
473ff.
 



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