19.12.2019

Briefe



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ID: 14029 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 12.03.1850
 

Hamburg den 12. März 1850
Meine liebe Emilie,
recht sehr erschrocken war ich über Ihre Nachrichten [die die Erkrankung der Haushälterin Rosalie meldeten], danke Ihnen aber recht innig für die große Teilnahme, die Sie mir und Allem, was uns betrifft, beweisen. Ich komme nun aber auch mit einer Bitte, die Sie mir gewiß nicht unerfüllt lassen! meine Kinder nur Dienstleuten ohne Bildung zu überlassen, das beunruhigt mich sehr, und daher bitte ich Sie dringend, ziehen Sie ganz hin zu uns, sind Sie auch den Tag über wenig zu Haus, so sind die Kinder doch Abends und früh unter Ihrer Aufsicht, und ich weiß, unter der liebvollsten Fürsorge; Sie schlafen dann mit Marie und Elise [Schumann] in unsrer Schlafkammer, da haben Sie Platz! spielen können Sie auf meinem Flügel auch, soviel Sie wollen, und des Mittags lassen Sie das Essen einrichten, wann Sie zu Haus sind – wann die Kinder und die Leute essen ist ja egal, das richten Sie ein, wie es Ihnen am besten paßt. Sie müssen mir natürlich versprechen, daß Sie tuen, als ob Sie bei sich wären, u. mein Haus dann wie Ihres betrachten. Sie täten mir die größte Liebe, erfüllten Sie diese Bitte! –
Gestern schickte ich an Rosalie einen Brief mit 10 Thaler – Sie werden ihn wohl gelesen haben? ziehen Sie zu mir, so lassen Sie sich von Johannen das Geld geben und geben ihr, was sie braucht. Die Kinderfrau nehmen Sie gleich von dem Tage an, wo sie gekommen ist, an Rosaliens Statt in Dienst. – sie soll nun bleiben, bis ich komme, und dann natürlich auch! Johannen lassen Sie durchaus nicht gehen – ihr Mann hat es versprochen, daß sie bleiben könne, bis ich wiederkomme, nun soll ers auch abwarten. Mit Rosalie ist es fatal, und ich weiß garnicht, wie ichs mache! ich möchte sie gar nicht wieder nehmen, wollte ihr ja ohnehin nach meiner Rückkehr aufsagen! was tue ich nun? gelegentlich gehen Sie doch einmal mit den Kindern (Marie u. Elise) nach Neustadt spatzieren, und erkundigen Sie Sich, was Rosalie macht. Sie dauert mich sehr, aber wahr ists, sie nützt mir gar zu wenig, das geht doch nicht auf die Länge. Bitte erkundigen Sie Sich doch einmal bei Jemand, wie lange ich die Verpflichtung habe, für sie in d. Anstalt zu bezahlen? es ist doch kein Spaß wenn das Wochen so fortgeht!
Sollten Sie meinen gestrigen Brief an Rosalie noch nicht gelesen haben, so lassen Sie ihn sich geben – Sie finden noch Manches Genauere darin, und liegt mir heute gar zu viel daran, daß Sie bald diese Zeilen erhalten. Meine Sorge um die Kinder ist groß – ach Gott, bei den Dienstleuten verwildern die armen Kinder ganz, bitte, bitte liebste Emilie, thuen Sie das Schönste, ziehen Sie hin, und vertreten Sie meine Stelle, Niemandem möchte ich dies Amt lieber übertragen, als Ihnen.
Grüßen Sie Johannen, und liebste, sorgen Sie auch, daß im Hause alles reinlich und ordentlich ist, ferner soll ja der Wäscheschrank nicht offen stehen, sondern lassen Sie sich den Schlüssel übergeben. Rosalien gab mein Mann eine große Mappe mit wichtigen Papieren, die in Feuersgefahr zu retten seien. Lassen Sie sich den Schlüssel zu der Kommode geben, worin die Mappe liegt.
Womit beschwere ich Sie gleich. – Gott lohne es Ihnen, meine theure Emilie, wenn Sie meine Bitte erfüllen.
Küssen Sie 1000 mal meine Kleinen, nach denen ich mich so sehr sehne! – Schreiben Sie mir ja gleich eine Zeile (es braucht wahrhaftig nicht schön zu sein – nicht schöner als mein heutiges Geschreibsel) damit ich nur weiß, wie es zu Hause geht.
Adieu! schönsten Gruß von meinem Manne und innigen Kuß von mir
Ihrer treu ergebenen Clara Schumann

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Hamburg
  Empfänger: Steffens, Emilie, verh. Heydenreich, Emilie (3000)
  Empfangsort:
 



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