25.02.2022

Briefe



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ID: 14238
Geschrieben am: Dienstag 24.08.1880
 

Schluderbach d. 24 Aug 1880.
Liebste Frau Volkland
anstatt gemüthlich bei Ihnen zu sitzen u. Sie an Andere für mich schreiben zu lassen, muß ich es jetzt selbst an Sie thuen, was mir gar nicht gemüthlich ist. Dazu liegt Marie im Bett an Nessel-Ausschlag, der gestern furchtbar war, so daß sie 2 Nächte kein Auge schloß und immer ächzte u. stöhnte – |2| heute geht es aber viel besser und morgen hofft sie wieder aus dem Bett zu sein. Aber, Sie können wohl denken, wie traurig u. einsam es für mich ist, dazu bin ich selbst sehr erkältet, und habe es im ganzen Kopf. Unseres Ferdinands Krankheit ist auch viel schlimmer, als wir es gedacht – seine Reise nach Teplitz war entsetzlich, die Bäder wirken aber, und der Arzt giebt alle Hoffnung.
Ich habe Sie recht im Geiste verfolgt, und |3| dachte mir Sie ges¬tern (Montag) in Ponte Resina ankommend. Wo waren Sie wohl an dem schrecklichen Regentage Sonntag? bald hoffe ich Alles von Ihnen zu hö¬ren. –
Eugenie ist in Berchtesg. und schreibt, Frau v. H. habe keine Ah¬nung gehabt daß Sie so umgehend eine Nachricht von ihr erwartet hätten. Nachdem, was Sie mir gesagt, ist mir dies etwas unbegreiflich; <S>sie haben übrigens noch Frl v. Hartenthals Mutter dort; mit Fiedlers sind sie dann täglich 8 Personen – das wäre |4| doch vielleicht nicht so ganz gemüthlich für Sie gewesen! möchten Sie es in Ponte-Resina nur nicht gar zu kalt haben!
Hier hat die Gesellschaft ganz geändert – ich schließe mich zu schwer an, kann aber nicht anders. Aus Leipzig sind ein paar nette Damen in Ihren Zimmern, ein Buchhändler Roscht mit Frau u Schwägerin; Letz¬tere äußerlich frappant der Seeburg ähnlich, aber im Umgange sehr nett. Die Frau hat aber etwas besonders sympathisches. Einige Gräfinnen sind auch eingerückt – ich sehe sie nur von weitem. –
Will’s Gott, so gehen wir am Freitag d. 27 u. ich bitte Sie mir nach Velden, |5| „Villa Obenaus“ zu schreiben, da bleiben wir mindestens bis 2 Septbr; dann wollen wir nach Aussée. Weitere Pläne haben wir noch nicht festgesetzt. Sollten Sie Dieses nicht früh genug erhalten um nach Veld. zu schreiben, so thuen Sie es nach Aussée postlagernd.
Ich schließe – Sie wissen nun Alles von uns! – Hoffentlich hat Ihr lieber Mann seine gute Laune auf der schönen Tour wieder gefunden, wenn ihn nicht etwa die Engländerinnen belästigt haben? das war doch ein Risiko – nicht?
Mit den herzlichsten Grüßen von uns Beiden
Ihre
altergeb
Clara Schumann.
|6| P. S. Sie wissen wohl daß Wenzel todt ist? er starb in Kösen am Herzschlag. Wieder Einer bald der Letzte aus der alten Zeit – es war mir recht wehmüthig.
Heute erhielten wir auch Bruch’s Verlobungsanzeige mit Clara Tu¬czek in Berlin – ich freue über seine Wahl. Ich kenne zwar nur die Schwester, aber weiß, daß sie Alle tüchtige Mädchen sind! –
Die 50 Fl habe ich erhalten.
[Umschlag]
Frau
Henriette Volkla[nd]
Ponte-Resina
Engadin.
Postlagernd.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Schluderbach
  Empfänger: Volkland, Henriette (1640)
  Empfangsort: Pontresina
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
339-342

  Standort/Quelle:*) D-F, s: Autogr. K. Schumann, Nr. 153
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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