05.01.2022

Briefe



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ID: 14366
Geschrieben am: Samstag 28.09.1850
 

Düsseldorf d. 28 Septbr. 1850
Wie sehr haben Sie, liebe Marie, mich durch Ihr sinniges Geschenk er¬freut, wie so lieb war gerade dieser Gedanke von Ihnen – Sie wußten, daß uns eben die Räume, in Denen wir so manche glückliche Stunde verlebten, zu dem Liebsten gehören müssen – nehmen Sie den herzlichsten Dank dafür, sowie für Ihre Liebe und Freundschaft, die Sie mir und meinem Manne immer bewiesen. Schon längst hätte ich Ihnen dies gesagt, doch Sie können wohl denken, daß ich gar viel zu thuen hatte, zum Schreiben nicht Muse hatte, und schreibt man an seine Freunde, so muß es entweder mit Behaglichkeit geschehen, oder gar nicht, denn so ein Brief ohne Kopf und Herz ist ein lahmes Ding! – Seit einigen Tagen sind wir nun eigentlich erst eingerichtet, obgleich noch immer Manches fehlt – es gehört gar viel dazu, bis man sich so recht wohnlich in seinen Zimmern fühlt. Bekannt¬schaften haben wir so Manche schon gemacht, und besonders giebt es hier auch viel liebenswürdige, geistvolle Frauen, die mich sehr anspre¬chen. Den Singverein hat mein Mann zwei Mal |2|geleitet, und war sehr zufrieden damit. Wir studieren jetzt die Comala, die am 25ten October im ersten Abonnement-Concert aufgeführt werden soll, außerdem wird das Adventlied von meinem Manne gegeben, eine große Ouvertüre von Beet¬hoven und ich spiele Mendelsohn’s G moll Concert und Bach’s A moll Fuge. An dem Abendt werden Sie wohl hierher denken? – Wenn werden Sie und Emilie uns nun hier besuchen? wird das wohl werden? ach, es ist doch eine große Entfernung, und jetzt ist an ein Wiedersehen wohl kein Gedanke, doch im Sommer, nicht wahr, da machen Sie Sich zusammen auf! übrigens würde Ihnen der Rhein hier auch nicht so übel gefallen, und überhaupt ist Düsseldorf eine der freundlichsten Städte, die ich kenne! die ganze Stadt liegt wie in einem Garten.
Für heute muß ich Ihnen nun Adieu sagen – es lasten viele Brief-Schulden auf mir, zu deren Abtragung mich mein Herz gewaltig drängt, verzeihen Sie daher das Wenige – nehmen Sie das Wenige mit Liebe
von Ihrer
Clara Schumann.
|3| NB: Das Albumblatt sollen Sie bekommen, doch heute war’s nicht möglich. Mein Mann grüßt Sie freundlichst, und auch die Kinder, vor Al¬len Ludwig die Tante! –




  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Lindeman, Marie von (2605)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
1101-1103

  Standort/Quelle:*) D-Dl, s: Mscr. Dresd. App. 16, Nr. 1
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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