05.01.2022

Briefe



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ID: 14375
Geschrieben am: Sonntag 12.10.1851
 

Düsseldorf d. 12 Octbr. 1851
Tausend Dank, meine liebe Marie, für Ihre Sendungen Alle, vor allem Ihre reizenden Gedichte und für die Liebe mit der Sie uns anhängen! es thut Einem so wohl in der Ferne zu wissen, da ist noch Jemand, der recht oft an dich denkt! aber, liebe Marie, Sie müssen mich nicht gar so sehr immer loben, das setzt mich wirklich vor mir selbst in Verlegenheit – ich bin nicht besser, als Jeder, Der das, was er treibt mit Leib und Seele treibt, und, ist das ein Verdienst? schafft man sich nicht selbst damit die schöns¬ten Stunden? nein, liebe Marie, Sie dürfen mich nicht mehr so unendlich loben! ich weiß, Sie haben mich lieb, und glaube auch ein wenig dazu bei¬getragen zu haben, daß Sie so große Freude an der Ausübung der Kunst haben, und das ist genug, mehr braucht es nicht! – Emilie schrieb mir von Ihren Fortschritten, was mir große Freude macht. Wie gern überzeugte ich mich einmal selbst davon! – Vor einigen Tagen sind einige sehr feine hüb¬sche Stücke von Stephen Heller erschienen; ich empfehle sie |2| Ihnen zum Studieren, Sie werden sie leicht bewältigen und recht zart vortragen. Sie heißen: „Spatziergänge eines Einsamen“ 2 Hefte, erschienen bei Kist¬ner. Ich freute mich ordentlich als ich sie kennen lernte für Sie, daß ich Ihnen nun doch auch einmal etwas Neues empfehlen kann.
Sie erhalten diese Zeilen durch Professor Hübner, der jetzt einige Tage hier war. Ich lege auch meine Schuld von 3 rt 19 ngr. 5 d <und> für die Thieme und 12 ngr f. die Heflen in Summa 4 rt 1 ngr 5d bei, und danke Ihnen nochmals herzlichst für die Besorgung der Sachen, die Alle sehr schön geworden sind.
Wollen Sie wohl Emilien einstweilen für ihre Briefe danken – schrei¬ben kann ich ihr heute nicht, weil ich noch viel zu thuen habe; doch denke ich es bald nachzuholen.
Bei uns geht sonst Alles wohl! mein Mann arbeitet fleißig! bald er¬scheint die dritte Symphonie 4händig, die werden Sie dann wohl auch einmal spielen, doch |3| das Arrangement ist nicht leicht, daher sie es wohl etwas genauer ansehen müssen (beide Theile) ehe Sie es spielen. Das Requiem für Mignon mit den Liedern aus Wilhelm Meister (der Mignon und des Harfners) ist jetzt auch in schöner Ausgabe erschienen. Neulich überraschte mich mein Mann mit einer Sonate für Clavier und Violine, die herrlich ist! ich kann nicht erwarten, bis Wasielewski kommt, wo ich sie dann spielen kann. Wenn Sie Gelegenheit haben mit Violoncell zu spielen, so empfehle ich Ihnen die auch eben erst erschienenen Stücke im Volkston für Pianoforte und Violoncell von meinem Manne, die sehr originell sind, und auch nicht zu schwer. Sie sind bei Luckhard in Cassel erschienen, übrigens empfehle ich sie Ihnen nur, weil Sie mir in Ihrem letzten Briefe den Vorwurf machen, als könne ich einen gewissen Robert Schumann nicht leiden! – Ach, liebste Marie, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie ich meinen Mann täglich mehr liebe und verehre! könnten Sie so empfinden wie ich, was er in neuester Zeit wieder |4| Herrliches ge¬schaffen! gestern spielte ich mir ein Concert für Violoncell mit Orchester durch, was er auch hier componirt hat, da ging mir doch wieder so recht das Herz auf, vor lauter Wonne. Möge nur der Himmel geben, daß ich ihn noch <l> recht lange mit all meiner unendlichen Liebe umfassen kann – ich weiß, es <doch> beglückt ihn, wenn er mein Glück sieht, das er mir in so reicher Fülle schafft! – Wenn ich der nächsten Zeit denke, da wird mir doch manchmal recht bange um’s Herz! ob der Himmel mich wohl auch wieder über die schwere Stunde glücklich hinweg führen wird. – Nun, er wird’s ja wohl machen, wie’s am besten ist! – Meine Kinder sind Alle mun¬ter, Ludwig noch immer das Muttersöhnchen! Ferdinand läßt sich nicht gern (was man sagt) hätscheln, er hat eine ganz andere Natur, als Ludwig.
Meine liebe Marie, ich will Ihnen nun Adieu sagen! erfreuen Sie mich bald wieder mit einem Briefe, <> und behalten Sie vor allem lieb
Ihre
getreu ergebene
Cl. Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Lindeman, Marie von (2605)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
1132-1135

  Standort/Quelle:*) D-Dl, s: Mscr. Dresd. App. 16, Nr. 9
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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