19.12.2019

Briefe



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ID: 14408 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 11.04.1847
 

Dresden, den 11. April 47.
Meine liebe Marie,
Soeben erhalte ich eine Antwort auf mein Schreiben vom Dr. Haertel in Leipzig, und theile Ihnen sogleich die ganze Stelle, Ihr Pianoforte betreffend, mit. Er schreibt: „Was den Flügel von Frl. Lichtenstein betrifft, so ist es ganz natürlich, dass derselbe scharf geworden, da er einer tüchtigen Spielerin fast 4 Jahre gedient hat. Die Reparatur muss jedenfalls hier vorgenommen werden. Einen Arbeiter nach Berlin zu senden, würde kostspielig sein, und doch nicht zum Zwecke führen, da der Werkführer, den wir nicht entbehren können, doch die letzte Hand anlegen muss. Da das Instrument, wie Sie selbst sagen, wohlerhalten, nur scharf geworden ist, so lässt sich mit Bestimmtheit sagen, dass es durch eine tüchtige Restauration in den früheren Zustand zurückgebracht werden kann. Eine solche Restauration pflegt 20–30 Thaler zu kosten, je nachdem mehr oder weniger nachzuhelfen ist; im gegenwärtigen Falle ist mutmasslich mit 20–25 Thaler auszukommen. Das Pianoforte gegen ein neues einzutauschen, ist uns unmöglich, weil wir für gebrauchte Instrumente gar keine Verwendung haben. Will uns Frl. Lichtenstein nun den Flügel zuschicken, so soll die Wiederherstellung bald vorgenommen werden.“ Ich denke nun, liebste Marie, Sie schicken das Clavier nach Leipzig (Kisting besorgt Ihnen gewiss gern das Einpacken) und lassen es dann zurück gleich nach Wolfenbüttel senden; jedenfalls rathe ich zu der Reparatur, die Ihnen Alles inbegriffen vielleicht 30–40 Thaler kostet, weniger also, als Sie bei einem Umtausch verlieren würden, und das Clavier wird bestimmt wieder gut – ich werde es Haerteln doppelt ans Herz legen, da es für Sie ist. Nun zu Ihnen, liebe Marie! Wie geht es Ihnen? und den lieben Ihrigen, Bräutigam mit inbegriffen? ich hoffe wohl, es würde mich aber doppelt freuen, dies von Ihnen selbst zu hören. Alles, was ich Ihnen von uns erzählen könnte, erfahren Sie durch die Mutter, ich aber wünschte noch zu wissen, ob Sie, liebe Marie, wohl an meine Bitte wegen der Rossi und des Bildes von Hensel gedacht haben? und welche Antwort geben Sie mir? Ich plauderte so gern länger mit Ihnen, habe aber jetzt alle Hände voll zu thun, verzeihen Sie mir daher auch diese flüchtigen Zeilen – bei Freundinnen wie Sie läuft einem die Feder immer mit dem Herzen davon. So geht es Einem auch, wenn man an seinen lieben Mann, oder wie Sie jetzt, Bräutigam schreibt – nicht wahr?
Grüssen Sie Ihre lieben Eltern herzlich von uns, und danken Sie Ihnen nochmals freundlichst für Ihre gütige Aufnahme, die sie uns in Berlin zu Theil werden liessen, und nun, mit dem innigsten Kuss, liebe Marie, seien Sie umarmt
von Ihrer
treu ergebenen
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Lichtenstein, Marie, verh. Hoffmeister (2597)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 380ff.
 



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