19.12.2019

Briefe



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ID: 14444 Brieftext


Geschrieben am: Montag 24.05.1852
 

[Düsseldorf, 24.5.1852]
Lieber Herr Doctor,
einige Zeilen muß ich denen meines Mannes noch beilegen und vor allem Ihnen, wenn auch spät, noch einmal recht herzlich Dank für Ihre freundliche Aufnahme sagen auch Ihrer lieben Frau! mit größtem Vergnügen sprechen wir noch oft von unserem letzten Aufenthalt in Leipzig und Ihnen Allen! Hätte ich nicht gar so viel zu thun gehabt, ich hätte Ihnen dieß schon längst geschrieben, aber seit wir von Leipzig zurück sind, sind wir noch nicht recht zur Ruhe wieder gekommen; wir mußten gleich als wir zurück kamen ein anderes Logie suchen, zogen dann um, hatten darauf noch 2 Concerte, wo ich viel spielte ect: Im vorletzten Concert führte mein Mann einmal wieder seine B dur Symphonie auf, und fand damit einen so einstimmigen Beifall, wie er mir noch kaum hier vorgekommen. Die Leute freuten sich Alle, daß sie sie so gut verstanden hätten! so geht es, das Publikum kommt immer erst 10 Jahre hintennach, es will Zeit haben sich zu besinnen! - Außerdem führte mein Mann auch noch eine neue Ballade von sich "der Königssohn" von Uhland (es war sein Benefizconcert) auf; ich spielte Beethoven's Es dur Concert und Var: Op. 83 von Mendelssohn, die ich außerordentlich gern spiele. Im letzten Concerte spielte ich das D moll Trio von Mendelssohn und Chopin's As dur Polonaise, dann wurde meines Mannes spanisches Liederspiel gesungen, und sehr freudig aufgenommen. Ich berichte Ihnen so speciell, weil mein Mann durch seine Zeilen an Sie mich gewissermaßen dazu verpflichtet. Entschuldigen Sie freundlich.
Einen Auftrag erlauben Sie mir noch Ihnen mitzutheilen. Mein Bruder Alwin Wieck, Musiklehrer in Petersburg wünscht als Subscribent für die Bach-Stiftung aufgenommen zu sein, und wünschte durch Gelegenheit den ersten Band zugesandt zu haben mit dem Bemerken, an wen er seinen Beitrag zahlen könne. Seine Adresse ist "Poststraße im Hause Kuttner Quartier Nr. 14. Petersburg". Wenn Sie meinem Mann einmal wieder schreiben, so bitte ich Sie recht freundlich um ein Wort, ob Sie Gelegenheit hatten, diese Bitte zu erfüllen.
Sie haben immer so viel zu thun, daß ich Sie nicht länger stören will - Sie wissen, ich kann manchmal nicht fortkommen, und so auch manchmal nicht enden.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau, und bleiben Sie immer gut gesinnt
Ihrer
Ihnen wahrhaft ergebenen
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Härtel, Hermann (617)
  Empfänger-Institution: Breitkopf & Härtel
  Empfangsort:
 



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