19.12.2019

Briefe



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ID: 14463 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 21.02.1882
 

Frankfurt d. 21. Febr. 82.
Lieber Levi!
Ihr lieber Brief hat mich herzlich gefreut, wenngleich Sie manches darin sagten, dem ich nicht beistimme, bezüglich meiner kleinen Überraschung, denn, nur als Solche dürfen Sie den Stuhl ansehen.
Sie machen mir in Ihrem Briefe so viel Muth, daß ich wirklich den Entschluß fasse, Ihnen nochmal das Concert zu schicken. Denken Sie daß ich die Monate, seit ich in München war, so beschäftigt war daß ich keinen Blick mehr hinein werfen konnte und nun bitten Härtels darum, und ich gehe Ende dieser Woche nach England! Wie soll ich in London dazu kommen? Bitte corrigiren Sie (nicht auf besonderem Zettelchen) was Sie für gut finden, das Concert hat Niemand als ich, zur Revision bekommen, also existiren auch keine Rücksichten irgend welcher Art. Den Notizzettel welchen Sie geschrieben hatten, lege ich bei, habe nur dem Brissler das Herr vorgesetzt damit es doch nicht gar so unfreundlich klingt. Ich bin eigentlich ganz entsetzt über meine Unbescheidenheit, aber „Noth bricht Eisen“, und wenn einem Etwas so freundlich geboten wird darf man es wol auch annehmen!? Wenn Sie mit dem Concert fertig sind, so senden Sie es, bitte, in meinem Namen an Härtels direkt, und schreiben darauf, daß der nächste Correctur-Abzug an mich zu schicken sei, aber nicht vor Mitte April.
Sie können denken wie enorm wir beschäftigt sind, da ich mich vor kaum 14 Tagen erst für London entschlossen habe, nachdem die Briefe von dort immer dringender wurden, und ich Berlin, wegen der traurigen Verhältnisse dort, aufgab. Bitte grüßen Sie Fiedlers herzlich von uns, u. sagen Sie Frau Mary, daß ich mich recht freuen würde, wenn ich einmal in London von ihr hörte, wie es ihr geht. Meine Adresse dort ist: 14. Hyde-Park-Gate Kensington. London. Herrn Fiedler laß ich sehr danken für seinen letzten lieben Brief. Er hatte wol recht Ihnen zu sagen,
daß das Concertiren in München gemüthlicher für mich war, und manches Andere auch, obgleich Pfeiffers liebevoll für mich sorgten.
Nun leben Sie wol und nehmen Sie zu vielem alten Danke im Voraus schon wieder den Neuen
Ihrer
herzlich ergebenen
Clara Schumann.

Ich muß meinen Arm sehr schonen, konnte daher nicht selbst schreiben.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
858f.
 



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