19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 1679 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 18.03.1853
 

Düsseldorf, d. 18ten März 1853.
Geehrter Herr,
Mit vieler Betrübniß sende ich den „Ritter Mond“ zurück. Die poetische Erfindung des Gedichtes scheint mir ausgezeichnet; aber für die Musik, glaub’ ich, eignet es sich nicht. Den Mond als Person, als singende zumal, sich vorzustellen, man kann es nicht wagen. Es thut mir nur leid, daß Sie eine so umfangreiche Arbeit für mich umsonst gemacht. Jedenfalls bin ich Ihnen sehr dankbar, mich mit dem originellen Stoff bekannt gemacht zu haben, wie Sie auch Max Maria meinen Dank dafür aussprechen wollen.
Das „Glück von Edenhall“ hat mir vor Ihrer freundlichen Zusage ein hiesiger Bekannter zur Musik umgemodelt; es ist sogar schon fertig componirt. So hoffe ich denn, daß Sie trotzdem Ihre Bereitwilligkeit für später sich findende Stoffe mir nicht entziehen.
Ihr Lutherentwurf folgt hier; ich hänge noch mit aller Liebe an dieser Idee, die zu verwirklichen auch Sie nicht nachlaßen möchten. Auch Ihre Gedichte lege ich bei, wie auch die Harfenparthie zu „Sängers Fluch“ für Ihre Frau Gemahlin. Sagen Sie ihr mit meinen besten Grüßen, daß Sie mir alles Unpracticabele anzeigt. Die Harfe ist ein zu schwieriges Instru-
ment, als daß der Componist, der aus der Phantasie schafft, immer das Leichteste treffen könnte.
Den vollständigen Text zu „Sängers Fluch“ lege ich gleichfalls bei. Alles, was mit Rothstift bezeichnet, ist das von mir Componirte. Die Stelle, die Sie meinen, steht auf S. 10 und 11.5 Können Sie hier und da Reime anbringen, so sollte es mir lieb sein. Dem durchgehenden Metrum der Ballade aber die Stelle anzupaßen, scheint mir unmöglich.
So haben Sie denn nochmals Dank für alles Freundliche und Gute, was Sie mir immer erwiesen und erweisen. Möchte es mir vergönnt sein, Ihnen auch einmal gegengefällig sein zu können.
Vielmals grüßend
Ihr
ergebener
R. Schumann.

Den Text zu „Sängers Fluch“ bitte ich mir zurückzusenden.

  Absender: Schumann, Robert (14753)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Pohl, Richard (1194)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
403f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.