19.12.2019

Briefe



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ID: 17251 Brieftext


Geschrieben am: Montag 05.06.1854
 

Berlin, am 5ten Juni 1854.

Verehrte, liebe Frau Doctorin

Mit besonderer Freude schicke ich Ihnen heute diesen Gruß aus Woldemars Stube, der gemeinschaftlich mit mir schreibt. Wir haben uns in den zwei Tagen, die ich hier in Berlin bin, schon recht oft gesehen, wir wohnen einander gegenüber, musiciren auch viel zusammen, und wo dann unsere Gedanken am liebsten weilen, das braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Ich bin für einige Zeit hieher gezogen, und habe damit einen Vorsatz erfüllt, den ich schon lange Zeit gefaßt hatte; da ich hier außer den lieben freunden, die Sie kennen, fast Niemand <kenne> sehe, so hoffe ich recht arbeitsame Tage in meinem Studir-Stübchen zu verleben, und es ist mir die schönste Aussicht, daran zu denken, daß ich Ihnen, die sich oft so nachsichtig liebevoll meiner Musik annahmen, dann im Herbst einiges Neue vorlegen können werde, denn daß meine Ferien nicht vergehen sollen, ohne daß ich auf einige Zeit nach Düßeldorf wandere, daran halte ich mit meinem ganzen Herzen fest. Durch die Freundschaft von Brahms ist’s mir bis jetzt so gut geworden, Alles zu erfahren, was um Ihnen und den lieben Ihrigen vorgeht. Möchten Sie ihn doch veranlassen, sich auch ferner meiner in derselben Weise anzunehmen; ich fürchte, er ist mir in der letzten Zeit gram geworden, denn ich habe nichts auf mein letztes Schreiben von ihm gehört. Grüßen Sie unsern musikalichen Liebling, und auch Marie, den kleinen Componisten, und alle seine lieben Geschwister, und erlauben Sie mir, verehrte Frau, Ihnen in dem beiliegenden Heft einen Anlaß zu geben, sich meiner freundlich zu erinnern.
In herzlicher Ergebenheit
Joseph Joachim


  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
127f.
 



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