25.02.2022

Briefe



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ID: 17271
Geschrieben am: Donnerstag 29.11.1855
 

Am Donnerstag.

Liebe Frau Schumann

Sie werden hoffentlich jetzt, nach Beförderung meiner telegraphischen Nachrichten an die Dresdener, ruhig nach vollbrachtem Mittagsschläfchen Kaffee trinkend mit Freunden allerlei Gutes denken und plaudern, während ich mich halb ärgere, halb freue daß Gf. Platen das 2te Abonnem-Concert auf den 8ten Dbr fallen läßt: halb freue weil Sie nun ohne Rücksicht auf mich am 6ten in Leipzig öffentlich spielen können, während ich durch den Zwischenfall hier genügend bei der Concert-Dir. in Leipzig entschuldigt bin, erst gegen das Frühjahr dort zu erscheinen. Ich will es morgen an Dr Härtel schreiben und bitte Sie einstweilen in dem Sinne zu handeln. Mit Ihnen in Dresden zu concertiren freue ich mich; schade daß es das eine Concert nur sein kann. Mit Orchester? Nun! das erfahre ich ja in Leipzig, wo wir am Sonntag Nachmittag hoffentlich Programm machen und abschicken können, wenn Sie es nicht vorziehen es schon jetzt allein zu machen, wozu Sie Vollmacht haben. Ich werde mit dem Sonntag Frühzug reisen, um für Leipzig Zeit zu gewinnen. Der Magdeburger Brief ist, da der Mann nicht garantirt, etwas gewöhnlich phrasenhaft, und ich bedauere nicht daß uns die Verhältnisse verhindern darauf jetzt einzugehen. Vielleicht läßt sich hier zwischen dem 2ten und 3ten Concert (das Ende Dcbr stattfindet)bei Hof oder in der Stadt etwas musikalisches arrangiren. All das mündlich; auch über vieles Freudige, das sich seit unserem letzten Gespräch erreignet [sic] hat: Brahms Erfolge u. s. w. Wie bin ich glücklich daß meine Prophezeiung in Bezug auf sein musikalisch Virtuosenthum eintreffen: er bedarf keiner Protektion zu seinem Anfang! Ich mußte heute schon den großen Theil eines Spohr’schen Concertes auswendig lernen, das ich fast ganz vergessen hatte und übermorgen hier spielen will. Die ersten Sätze sind violinmäßig edel u. schön, der letzte aber eine musikalische Dudelei, halbtraurig, halblustig u. nur ganz chromatisch. Vielleicht lasse ich ihn weg, u. spiele bloß Adagio u. ersten Satz. Grüßen Sie Ihre lieben Gastfreunde von Ihrem Freund und Verehrer
J. J.

Frau Klara Schumann
in Leipzig
Quer-Str. bei H. G. Preusser
fr.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
228f.

  Standort/Quelle:*) D-DÜhh: 55.1998, Nr. 24
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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