19.12.2019

Briefe



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ID: 17281 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 25.10.1856
 

Theuere Frau Schumann.

Grimm aus Göttingen theilt mir Ihr Vorhaben mit, dort am 3. oder 4. Nbr zu spielen. Wollen Sie meiner Violine die Ehre anthun wie früher, sie als Gesangsnummern gelten zu lassen, und darf er das gleich auf dem Subscriptions- Bogen bemerken? Bitte schreiben Sie ihm gleich direkt darüber nach Göttingen, aber so, daß ich nicht über Rache an meinem ungezogenen langen Schweigen klagen muß. Und nun würden Sie mich aber auch sehr verbinden, wenn Sie mir nach Hannover schrieben, wie es mit Ihren Plänen für den Winter beschaffen ist. Bleiben Sie denn länger als November in Kopenhagen? Könnten Sie nicht im December die Konzerte hier eröffnen? Der König frug noch vor einigen Tagen bei Hof, wann er Sie wieder hören würde. Also, bitte orientiren Sie mich doch recht, recht bald über Ihre Pläne. Neulich, wie so oft, dacht' ich Ihrer sehr lebendig. Fräulein Seebach erwies mir die Freude, die Schumann'schen Balladen kommen zu lassen, und sprach sie ganz hinreißend begeistert, offenbar noch von der Erinnerung gehoben, sie in Wien von Ihnen gehört zu haben. Sie verehrt Sie mit echter Künstlerwärme, und die Grüße, die sie mir aufträgt, sind recht von Herzen. Am Ende, wenn Sie im December kämen, ließe sich’s einrichten, daß Sie beide hier zusammenträfen, denn sie geht zwar Ende der künftigen Woche fort, kömmt aber später wieder in die Nähe. Grimm ist heut zum 1ten Quartett hier. Haydn, Mozart, Beethoven ; in 14 Tagen kommen Schubert, Schumann und Op. 130 (von wem braucht man nicht zu sagen) an die Reihe. Es geht wirklich so, daß -- Sie zuhören dürften, liebe, strenge, musikalische Freundin! Doch ich thue Unrecht, Sie so zu nennen, denn noch ist mir alles Schöne und Angenehme in den Ohren, was Sie mir über meine Ouverture geschrieben, und ich habe noch nicht einmal dafür gedankt; ich will mich aber bessern! Lassen Sie recht bald ein Wort hören; ich verlange herzlich darnach. Morgen reise ich auf 3 Tage nach Berlin; hoffentlich finde ich bei meiner Rückkehr einen Brief.
In aller Eile, vor dem Quartett,
der
Ihre
Joachim.

P. S. Grimm bittet für die Anonce um’s Programm.

Frau Klara Schumann
Frankfurt a/M
abzugeben bei Herrn Th. Henkel. Parade-Platz
No 10.
fr.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort: Hannover
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
287ff
 



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