19.12.2019

Briefe



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ID: 17283 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 12.11.1856
 

Mittwoch, am – –
Vor 8 Tagen war der 5te.
wie ich jetzt ganz genau weiß.

Liebe Frau Schumann.

Ich will nicht säumen, Ihnen die inliegenden Zeilen mitzutheilen, schon weil es mir Gelegenheit giebt, Ihnen einen bekannten Gruß in’s fremde Land herzlich mitzuschicken! Die angedeuteten Reichthümer sind mir den Tag nach Ihrer Abreise eingehändigt worden -- und es fragt sich nun, ob sie in meiner Kommode Ihre Rückkunft abwarten, oder an Johannes, Bertha oder sonst wohin spedirt werden sollen? Hübsch bei der Sache ist, daß die schnelle Besorgung der Hof-Concert-Schuld diesmal der Aufmerksamkeit des Königs zu danken ist -- der sich ausnahmsweise damit beschäftigte, und den andern Abend im Quartett, das er besuchte, ob er’s recht angeordnet habe. Er war noch ganz in „Extase“ über die Romanzen, „kann die Zeit kaum wiedererwarten“ den „herrlichen Göttergenuß“ wieder zu haben - nun! denken Sie sich die Fortsetzung der königlichsten Lobeserhebungen!Ich habe nun heute eine Konferenz mit Graf Platen gehabt – die Daten aller Concerte können noch nicht festgesetzt werden, die Vollendung des Umbaus im Ct-Saal ist nicht auf den Tag zu bestimmen, doch ist anzunehmen daß das 1te Conc. am 6ten Decbr sein wird, also das 2te u. 3te Mitte Decbr u. Anfangs Januar, und zu einem der beiden werden Sie’s ja wohl einrichten ns durch das G dur Concert zu erfrischen. Nicht wahr? Sonn<tag>abend halte ich schon die erste Probe von mehreren für den Novber bestimmten, um neue (hier noch nicht gespielte) Compositionen<)> durchzugehen; wahrscheinlich die Rietz’sche u. Gade’sche 3te Sinfonie. Wehner mit der Singakademie will nun doch bloß die Peri theilweis, d. h. die beiden ersten Abtheilungen, und die C-dur Sin- fonie zum Schluß als Gedenk-Abend für den Schöpfer derselben aufführen. Die Sinfonie würde ich dirigiren. Die hiesigen Quartettisten, worunter auch ich gehöre, wollen eine aparte Einladungs-Matinée der Erinnerung widmen, in denen das F dur und A dur Quartett von Schumann und das A moll von Beethoven gemacht werden sollen des Adagio’s wegen, das einen besonders heiligen Ernst athmet, dem Schumann selbst am liebsten zuhören würde. Was meinen Sie zu dem Gedanken? Erfreuen Sie mich, verehrte Freundin, recht bald durch günstige Nachrichten über Ihren Aufenthalt in Kopenhagen, in dem ich mit Gade und Tofte mein zu gedenken bitten möchte, wenn das dazu verhülfe! Ich bin seit Ihrer Abreise an einer neuen Ouverture fleißig;
sehr herzlich ergeben

Joseph Joachim.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
294ff
 



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