19.12.2019

Briefe



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ID: 17291 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 01.09.1857 bis: 15.09.1857
 

Liebe Frau Schumann

Diese Zeilen werden wohl, nach Grimm’s Rückkunftsplänen, mit Ihnen gleichzeitig in St. Goarhausen eintreffen. Sie sollen vor allen Dingen danken für Ihre schnelle letzte Antwort; ein Brief von Ihnen ist immer eine Freude, und namentlich einer von mehreren Bogen, und so künstlerischen wie freundschaftlich herzlichen Inhalts. Hab ich’s mit meiner Bestellung an Grimm nicht gut gemacht? Der treue Freund, der so warm an Ihnen u. Johannes hängt wird Ihnen beiden eine liebe Erscheinung gewesen sein, und sich selbst ordentlich erquickt haben! Wäre ich doch mit auf dem Donnerberg gewesen. Doria!! Was Ihre Bemerkungen über meinen Mangel an solchen bei Gelegenheit der erlauschten Pastoral Sonate betrifft so sollen sie nicht nutzlos an mir vorübergehen. Was kann mir erwünschter sein als die offenste kollegialische Gegenseitigkeit? Also unter der Voraussetzung daß Sie, liebe Freundin, bei irgend erlauschten Fehlgriffen auch nicht mit Ihren erlauchten Meinungen zurückhalten, werde ich’s wenn ich etwas höre auch nichts durchschlüpfen lassen gegen das ich bei Ihrer Auffassung einzuwenden hätte. Joh. muß für alle Zeiten dabei Dritter im Bund sein. Nun noch ein paar Fragen: Man erkundigt sich bei mir (durch H Heiman in Köln) ob ich Lust habe bei Gelegenheit des Bonner Concerts, Ende Sept. eine Soirée oder derlei in Köln zu geben; dann wollte man das Arrangement etc. gern (aus Gefälligkeit für meine Theilnahme für den jungen Bach vermuthlich) übernehmen. Nun habe ich allein allerdings keine besondere Lust, aber mit Ihnen könnte es mir sogar eine Freude sein. Wir wollten’s ja ohnehin immer in der Domstadt mit unsern Klängen versuchen; paßt Ihnen die Sache dies mal? Sie dürfen nur ein Wort sagen, so will ich die Korrespondenz mit Heimann darüber führen. Ein Programm wäre bald gemacht u. die Finger liefen von selbst; hoffentlich auch Zuhörer in den Saal. Dies das Eine. Nun das Andere: Was Sie über Rom mir schrieben beschäftigt nolens volens immer wieder meine Gedanken u. Träume. Welcher Art ist das Aner-bieten auch für mich? Wäre es denn vor <Februar> Januar; und da Sie ja doch jedenfalls hinwollen wäre in einem Monat nicht noch Zeit zu sagen ob ich mit komme? Bin ich erst von Bonn in Hannover zurück, so werde ich mit meinen Verhältnissen dort auch bald in’s Reine kommen und bestimmt sagen können ich mache die Fahrt nach Italien mit oder nicht. Und wie schön wär’s für uns beide Italien zu haben, und deutsche Musik nicht entbehren zu müssen; was, giengen wir einzeln, doch vielleicht <sein müßte> eine Heimweh erregende Nothwendigkeit würde. Bitte bedenken Sie’s und geben Sie mir die gewünschte nähere Auskunft. – Morgen gehe ich auf einen Tag nach Hannover – Gehalt holen. Bis Bonn bleibe ich dann hier. Dieser Tage mußte ich endlich an Liszt schreiben, der meiner stillschweigende [sic] Opposition gegen seine Musik <> ungeachtet mir wieder die herzlichste Einladung nach Weimar zum Karl-August Fest sandte, und mich aufforderte der Alte zu sein. Es ward mir recht schwer dem ältern Freund gegenüber, für den ich seit langen Jahren eine in vielen <D> Dingen wahre herzliche Bewunderung fühlte, zu sagen was ich von seinen Composition [sic] halte – aber es gieng nicht länger ohne daß mein Schweigen Feigheit wurde. Er hat nicht wieder geantwortet. –
1000 Grüße an Johannes und die Kinder. Für heute und stets
Ihr
aufrichtig verehrender
Joseph J.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
340-343
 



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