19.12.2019

Briefe



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ID: 17293 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 15.10.1857
 

Wegen Saal, Flügel, Concertbillets etc. ist an Fürstenau geschrieben. Nun stehen wir aber am Programm; da müssen Sie mithelfen, verehrte Kollegin! Inliegend sind ein paar Vorschläge von mir zu denen ich Verbesserungen, Zusätze, Auslassungen, Verschmelzungen ad libitum und a piacere, senza rigore hinzuzufügen bitte. Ich werde alles con amore spielen. Entscheiden Sie nur bald, damit ich es auch nach Dresden mittheilen kann. Übrig viel Zeit ist wohl nicht mehr. -- Die Hauptsache aber wird denn doch das Privatmusiciren werden, und die Bildergallerie. Auf beides freue ich mich unbeschreiblich! Kann Woldemar vielleicht mit? Liebe Frau Schumann, wie danke ich dafür, daß Sie auch in Berlin ein Plätzchen in Ihrer Wohnung für mich übrig haben. Ich betrachte dies als ein gutes Omen für künftigen häufigen Besuch Berlin`s. Aber ob ich die Wohnung schon diesmal durch Abholen einweihen helfen kann bezweifle ich: denn in unserem Interesse wird es wohl besser sein, ich gehe lieber so früh wie möglich (schon vor Ihnen) nach Dresden – dann miethe ich dort in einem der Hotels (das ich Sie zu bestimmen bitte, weil ich die Stadt so wenig kenne) Wohnung, und Sie finden alles moglichst gemüthlich , wenn ich Sie am Bahnhof erwarte. Ihres Robert Violin-Concert müssen wir auch in Dresden oft durchnehmen; es ist im letzten Satz namentlich entsetzlich schwer für Geige, aber ich hab`s so ziemlich in die Finger gespielt. Wunderschöne Stellen sind im ersten u. zweiten Satz. In den letzten Tagen hatte ich viel Besuch: Kyllmanns, der Oldenburger Intendant, und ein Pianist aus London Derffel, der mir von Hauptmann und meinem Bruder empfohlen ist und ein guter Musiker zu sein scheint. Von Fräulein Seebach soll ich Sie grüßen. Die Nach- richten über Johannes machen mir großes Vergnügen; ich muß ihm schreiben, um endlich etwas direkt zu hören. Grüßen Sie Ihre lieben Kinder; auch Woldemar vielmals.
In Erwartung baldiger Antwort
der Ihre
J. J.


  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
353ff
 



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