19.12.2019

Briefe



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ID: 17294 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 21.10.1857
 

Am Bußtag.


Liebe Frau Schumann!

Sehr betrübt bin ich eigentlich im Grunde nicht daß wir nun allein ohne Dritte im Bunde musiciren sollen, aber jedenfalls freue ich mich positiv daß wir zu gleicher Zeit an die Oboe-Romanzen gedacht haben; sie hatten mir bei Frl. Leser einen so schönen Eindruck gemacht. Das Programm zur ersten Soirée wird sich nun wohl so gestalten:
1ter Theil: Sonate in A von Mozart, Chaconne, Oboe-Romanzen.
2ter Theil: Suite v. Händel, (Romanze v Beethoven als Ausruhepunkt?)
Kreutzer-Sonate.
Fällt Ihnen statt No 5 etwas besseres ein so ändern Sie, überhaupt haben Sie ganz freie Macht umzustellen und könnten aus Zeit-Ersparniß das Resultat gleich nach Dresden schicken. Ich lasse mich denn dort überraschen! Gegen ein Concert in Leipzig habe ich nichts einzuwenden als die zornigen Gesichter der Herrn Directoren vom Gewandhaus, weil ich es ihnen immer abschlage, dort zu spielen, und schließlich doch auf eigene Faust musicire. Aber im Grunde ließen sich ihre Runzeln durch ein Versprechen, dies Jahr im Abonnements-Concert zu geigen, glätten - und ich nehme daher Ihren Vorschlag an. Dabei kömmt mir der Gedanke, ob wir nicht bei Gelegenheit eines Leipziger Aufenthaltes in einer Probe das Schumann'sche Violinconcert endlich ordentlich mit Orchester hören könnten. Was meinen Sie zu der Idee? Die Leute halten ja so oft dort Proben für neue eingesandte Werke und richtens am Ende gerne so ein, daß gerade eine in unsere Anwesenheit fällt. Aber wird es Freund David nicht übel nehmen? Wir müssen das zusammen überlegen, mündlich; nehmen Sie jedenfalls Stimmen <> zum Concert mit. - Die Königin sprach gestern Abend sehr viel von Ihnen und erzählte mit Enthusiasmus, wie sie sich in die Schumann'schen Lieder hinein gesungen und gelebt. Das verdanke sie alles Wehner etc. etc. Sie erschräke ordentlich, meinte sie unter anderem, daß Sie nun in Berlin fixirt wären; sie habe immer im <s>Stillen (ja sehr still!) den Wunsch genährt und die Hoffnung gepflegt, und die Möglichkeit betrachtet und sich an der Aussicht gelebt u. s. w., daß Sie einmal bleibend in Hannover sein sollten. Die gute Königin! Es hört sich alles so allerliebst an, was ihr gutes Herz sagt. Nun mündlich giebts recht viel Stoff zur Unterhaltung. Schriftlich für heut Adieu und viele Grüße den lieben
Ihrigen
J. J.

Theilen Sie mir ja mit was Sie über Arnims wissen. Für Sie thut es mir recht leid daß die prächtigen Menschen nicht in Berlin sind; aber warum sollte es mich hindern nach Berlin zu kommen, wären sie dort? Wirklich das ist kein Grund gewesen Sie nicht abzuholen.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
358ff
 



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