19.12.2019

Briefe



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ID: 17323 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 16.01.1859
 

Liebe Frau Schumann.

Wie lange schon bin ich ohne Nachricht von Ihnen; zum Glück Weiß ich jetzt durch Johannes, der seit 8 Tagen bei mir ist. Ihre Adresse und daß Sie nur Gutes erlebt haben. Er schreibt eben einen Satz seiner D dur Serenade in's Reine für den Copisten, und wir werden sie nun am nächsten Sonntag, den 23ten mit der alten Besetzung hören, da er sich nicht gern von den ursprünglichen Instrumenten trennen mag. So lange bleibt er also jedenfalls auch noch bei mir, und es sind prächtige Stunden, die ich aus dem Zusammensein mit dem Freunde schöpfe. Sein Concert soll nun auch in unserm nächsten, 3ten Ab.-Conc. endlich, am 22ten hoffe ich, von Stapel laufen, und ich freue mich auf' s flott machen und steuern. Warum können wir Sie nicht als einen guten Geist dazu haben! Nun, ich weiß, mit Ihren Gedanken werden Sie dabei sein, und bin ich auch ein unzuverlässiger Correspondent, bei dieser Gelegenheit werden Sie nicht über Mangel an Pünktlichkeit und gewissenhaftem Detail zu klagen haben; da Sie natürlich jedes kleinste Nötchen der Aufführung interessirt. Wie habe ich Theil genommen an der Seeligkeit, die es Ihnen gewähren mußte, Schumann's Compositionen so vielen Menschen zum Mitgenuß erschlossen zu haben. Sogar die Kreisleriana haben Sie gespielt! Die habe ich noch nicht einmal von Ihnen gehört, treffen wir aber wieder zusammen, so muß ich sie auch genießen dürfen. Es sind einige Lieblinge von mir in dem Heft. Vor Ihrer holländischen Fahrt wird mir es wohl kaum so gut werden, Sie zu sehen; aber auf Ihrer Reise dahin, hoffe ich, halten Sie Ihr Versprechen und spielen einmal hier. Platen sagte neulich von freien Stücken, dann müßte auch endlich die Schuld an Sie vom Hof abgetragen werden, was mir lieb war. Der König war die ganze Zeit krank; und hat mir zu seiner Genesung den Guelphen-Orden verliehen. Sie lächeln gewiß, liebe Freundin! -- Was Sie von Frl. v. Wendheim schreiben erfreut mich, denn der guten Seele waren die Stunden in Ihrer Nähe <g> wahrscheinlich eine Wohlthat, an der sie lange zehren und nachschwärmen kann! Ich danke von Herzen, daß Sie meiner Empfehlung so viel Ehre erwiesen haben. - Johannes` neue Sachen, namentlich der Grabgesang, gefallen mir sehr; mit dem Brautgesang befreundete ich mich weniger. Aber die neue Serenade ist überaus lieblich und originell. Ich staune über unseres Freundes Produktivität und komme mir recht wie ein fauler Junge vor! In Leipzig wollen sie meine Heinr. Ouverture u. das Schubertsche Duo spielen; ich bin gespannt, wie es ausfällt. Hat Ihnen die Frege geschrieben? Wir wollten es zusammen thun, als ich am 1ten in Leipzig spielte. Wie oft schreibe ich mit den Gedanken! Aber mit Feder und Tinte -- --- - Lassen Sie mich's nicht entgelten und beschenken Sie bald wieder mit einigen Worten Ihren
treu ergebenen
Joseph J.


  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
443ff
 



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