19.12.2019

Briefe



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ID: 17337 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 17.11.1859
 

Liebe Frau Schumann

Der zurückgesandte ||Plaid|| hat mir nun, wie es scheint, noch nachträglich in Duesseldorf eine kleine Erkältung zugezogen! Ich nehme ihn gern wieder zurück, wenn Sie ihn wirklich nicht vermissen; und ich füge nur hinzu, daß ich wirklich erst bei meiner Abfahrt aus dem Hôtel Breidenbach daran dachte, daß ich eigentlich kein Anrecht an Ihr Eigenthum hätte. Eine premeditirte Scheußlichkeit, wie Sie glauben, war das Zurücksenden nicht! Nun bringen Sie ihn hoffentlich bald einmal in Persona nach Hannover. – Mit Graf Platen habe ich gestern (Dienstag, den Tag meiner Ankunft aus Detmold) gesprochen: er wird sich sehr freuen, wenn Sie hier im Winter uns mit Ihrem Spiel beglücken wollen. Das erste Concert soll am 3ten Decbr statthaben! Piatti hat (wie mir Graf Pl. sagt, der ihn unterwegs in Paris, glaube ich, gesprochen) dazu die Zusage gegeben. Ich wußte gar nicht daß er nach Deutschland käme! Soll ich das <Tripel> Beethoven’sche Tripel-Concert mit Ihnen und mir dazu vorschlagen? Lieber freilich wäre es mir Sie allein in einem Stück mit Orchester zu hören! Können Sie nun später noch? Ich bitte um eine bejahende Antwort! Könnten Sie aber nicht darauf eingehen, so möchte ich, um Ihren Besuch für Hannover nicht einzubüßen, vorschlagen, daß <> ich Ihnen eine Soirée arrangiren dürfte, in der wir recht nach Herzenslust sonatirten, und die jedenfalls sich rentiren müßte, da die Sehnsucht, Sie hier wiederzuhören, allgemein ist. Bitte, überlegen Sie auch diesen Vorschlag, dessen Annahme mir besonders erwünscht wäre. Wir brauchen keine Intendanzen!!! Ich habe mich heute bei Königs durch Adjutant und Hofdame zurückgemeldet. Vorigen Sonnabend hat Vieuxtemps bei Hof gespielt, und ich fürchte einige unangenehme Worte, da man mich [ver]muthlich dazu gerne hier gehabt hätte. M[or]gen gehe ich in eine hübsche Wohnung, in der Königsstraße. <,die zwischen> Ich wollte es Ihnen beschreiben, Sie würden’s aber nicht verstehen, und müssen selbst in Hannover bald nachsehen, wo meine Wohnstätte liegt. Einstweilen wohne ich im Hôtel Royal, und sehne mich heraus; nehmen Sie daher die Eilfertigkeit meiner tanzenden Feder nicht übel. Wie es uns in Detmold ergangen, wird Freund Johannes geschrieben haben; nun: es war wunderschön, und das Schönste daran Johannes Musik. Ich muß erst mehr Ruhe haben, um mehr zu schreiben. Für heut’ und immer
Ihr herzlich ergebner
Joseph J.

Frau Clara Schumann
bei Frl. Rosalie Leser, Alleestraße
Düsseldorf
frei

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
475ff
 



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