19.12.2019

Briefe



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ID: 17339 Brieftext


Geschrieben am: Montag 05.12.1859
 

Liebe Frau Schumann

Das Concert vorgestern und der gestrige Tag waren durch Johannes rechte Feste. Wir haben mancherlei musicirt, gestern früh bei mir unter anderm das schöne, tiefe Gmol Trio von Schumann, und Ihrer oft gedacht. Die A dur Sinfonie gieng herrlich; ich hatte sie nie schöner gehört. Warum ist dies Orchester in Hannover?! Die Serenade kam rechtzeitig. Ich halte bis jetzt doch den ersten und den letzten Satz für die schönsten. Da ich sie bis Sonnabend jedenfalls hier behalte (Johannes ist eben fort) so können wir noch recht darüber sprechen. Es bleibt für Ihr Concert jedenfalls beim 10ten (Sonnabend). Schon des Quintetts von Sch. wegen; <ist> es ist zu unsicher ob wir die Herrn an einem andern Tag haben könnten. Ich habe den Saal genommen, auch Karten bestellt (300 Stück) und Annoncen in die Zeitungen besorgt. Morgen geht eine Subscription-Liste herum, natürlich bloß die Anzeige enthaltend, und als ob’s gar nicht von Ihnen veranlaßt wäre, sondern von der Musikalienhandlung und mir, da es die beste und sicherste Art ist anzukündigen und hier Styl scheint. Ich habe es sorgfältig besprochen und erwogen. Das Programm bitte ich mir aber umgehend, wäre es auch nur durch andere Hand aus. Ich schlage außer dem Quintett von Schumann (einer sehr glücklichen Wahl!) die Kreutzer-Sonate vor. Wir könnten damit beginnen. Müssen Sie Sich ausruhen, so bin ich mit Freuden bereit ein oder 2 Soli einzuflechten, die Scholz begleiten könnte, wenn es Sie ermüdet. Dieser und seine Frau sind ganz glücklich über Ihr Herkommen, und wäre ein kleines, schreiendes Kind von 5 Wochen nicht im Haus, so lüden sie Sie gern ein, bei ihnen zu wohnen. Ersteres ist aber nicht einladend. Wollen Sie ein paar ungarische Tänze von Johannes spielen? Das wäre schön. Für die Arie aus Orpheus danke ich vielmals, auch Herrn Schleinitz. Wir haben sie nicht gebraucht, da die Sängerin der Opern wegen nicht disponibel war. Vielleicht kömmt sie im nächsten Concert daran. Über das Programm vom 17ten können wir mündlich Pläne schmieden. Denken Sie über ein Ensemble nach; ich will’s auch thun. Joh. hat in Hamburg als Solo- und Componist großen Triumph gefeiert. Endlich! Er war fidel. Auch ich will mich auf’s Wiedersehen freudig halten! Empfehlen Sie mich Freges und grüßen Sie Frl. Marie recht sehr von
Ihrem freundschaftlich ergebnen
Joseph Joachim

Montag Nachmittag.

fr.
Frau Klara Schumann
Leipzig.
bei Herrn Professor Frege
abzugeben.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
479-482
 

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