19.12.2019

Briefe



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ID: 17351 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 16.11.1860
 

Voraussetzend, liebe Frau Schumann, daß Sie Dwights Adresse in Berlin wissen, bitte ich Sie um die große Gefälligkeit zu ihm zu schicken, und ihm sagen zu lassen, daß das Leipziger Pensions-Fonds-Concert auf den 26ten (Montag) verlegt ist; der Gute reist sonst am Ende umsonst zum 19ten hin nach Leipzig. Wie geht’s Ihnen denn, und wie waren Sie mit Bargheer zufrieden? Ich bin durch unser 1tes Concert, morgen, recht in Anspruch genommen. Dirigiren und Spielen zusammen greift mich immer etwas an. Wir machen die D dur Sinfonie von Beeth., die Aben ceragen Ouverture v. Cherubini, dazu spiele ich Mendelssohns Concert, und Frau Castellan (eine Primadonna der mittelmäßigen Operngesellschaft, die jetzt hier vor leeren Häusern gastirt, weil es ja vornehm ist für italienischen Gesang sich zu interessiren) singt eine Cavatine aus Tell und die Variationen von Rhode, s’ Neieste was mer erscht kriagt hab’n! Die gute Dame würde mit ihren Trillern schwerlich vor der Thee-Gesellschaft in der Rampe’schen Gasse Gnade finden, – doch singt sie nicht ohne Geschmack, und war vor 10 Jahren, wo ich sie in London kannte, nicht ohne Anmuth. – Ich bin Ihnen noch von Leipzig’s wegen einen Brief schuldig, kann aber nur heute sagen, daß sich Dr Härtel wirklich geradezu die Haare ausraufte, als ich ihm sagte, sie hätten seinen Brief so verstanden als wollte er Ihr Concert in L. nicht besorgen. Er habe sich bloß entschuldigen wollen, daß die Antwort wegen des Saales (den jetzt Seyfferth und nicht mehr Härtel besorgt) etwas habe auf sich warten lassen. Sie sollten nur so oft wie möglich nach Leipzig kommen, <daß> das sei das einzig Wichtige für ihn, der sie so aufrichtig verehrt, und er freute sich allemal wenn er ein Concert für Sie besorgen dürfte, das verstünde sich von selbst. Er rief seine Frau und Kinder, u. alle Heiligen zu Zeugen an, daß dies seine wahre Gesinnung sei, wenn Sie auch wohl, wegen einer unvorsichtigen Äußerung über den Verlag Sch’scher Werke, jetzt auf ihn ungnädig wären. Übrigens war er wirklich die Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit selbst! – Auch Spina hat geschrieben. Davon nächstens!
Ihr altergebener J. J.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
571ff
 



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