19.12.2019

Briefe



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ID: 17354 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 03.02.1861
 

Liebe Frau Schumann.

Nach einem sehr genußreichen Concert gestern Abend, zu dem ich Sie sehr lebhaft herbeiwünschte, bereite ich mich nun zur Wiener Reise, die ich morgen Mittag <> um 2 antrete. Ich werde bis Dresden fahren, dort übernachten, und dann in einer Tour nach Wien rutschen. Ich führe ohne unterwegs mich aufzuhalten, wenn mein Bruder Heinrich dies zugäbe, der mich abgeholt hat, und dem ich als der Jüngere nachgebe. Mit vielem Danke habe ich die Aufschriften an Ihre Freundinnen u. an Laube gelesen und hoffe von erstern gemüthlich freundliche Aufnahme, von letzterem Theaterbillette. Wenn mir nur alle in Oesterreich so gütig entgegen kämen, wie ich`s von denen erwarte, an welche Sie empfehlende Worte gerichtet! Nun, Sie sollen's erfahren, wie es mir am Sonnabend ergangen sein wird. - Ihre Quittung an H Heddenhausen, der des Königs Gold in bittere Pillen hinein reibt, statt es umgekehrt zu machen, habe ich überschickt. Verpflichtungen lese ich sonst nicht aus der Quittung, als die eine,im April oder Mai (oder auch Ende März) noch einmal bei Hofe zu spielen, wie Sie ja dem Könige versprochen haben.Wahrscheinlich hat der letztere bloß einfach H v. Malortie gesagt, daß das Honorar für Ihre nächste Leistung bei Hofe<dar> in dem eingeschlossen sei, was er Ihnen jetzt überschickte. Die taktlose Ausführung des K. Auftrags ist bloß ein neuer Beleg für den Unterschied zwischen den feinen Gesinnungen der Herrschaften und der plumpen Ausführung von Seiten derjenigen, die sich auf Kosten ihrer Gnade brüsten. Ich konnte es übrigens nicht unterlassen, Frl. v. G. die Sache zu erzählen und derselben zu sagen, daß ich vor hätte, Ihnen zu schreiben (auf eigne Gefahr), die Herrschaften hätten gewiß nichts von dem Wortlaut des Schreibens geahnt, ich wollte bloß von Frl. v. G. wissen, ob sie die Sache nicht ebenso wie ich ansähe. Sie gab mir vollkommen recht und sagte, daß leider nur zu oft ähnliche Unzartheit vorkäme. Zu meiner größten Freude nun erhielt ich auch noch eine schriftliche Bestätigung, die ich Ihnen confidentiell mittheile, weil Sie dadurch vollkommen über die Sache beschwichtigt sein werden. -- Auch theilte mir Frl. v. G. mit, daß die Königin geäußert hätte, Sie bedürften der Königin Empfehlung nach Brüßel nicht, wenn Sie von der Erzherzogin eine bekämen,wenn dies aber nicht geschehen sollte, so wollte I. M. den Ausweg treffen, in der 3ten Person an ihre Verwandtin zu schreiben. Das ist wieder so recht nach der Königin freundlicher Gesinnung; ordentlich rührend komisch. Doch nun genug, liebe Frau Schumann, ich muß leider an`s Packen! Lassen Sie mich ja durch Spina hören, wo Sie meine Gedanken suchen dürfen. Viele freundliche Grüße an Fräulein Marie, und auch Empfehlungen an Ihre Detmolder Bekannten namentlich Bargheers.
Der Ihrige
Joseph J.

P. S. Programm des 2ten Abonnements-Concerts vom 17 Decembr 1859 in
Hannover:
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1. Ouverture zu Faniska v. Cherubini,
2. Sonate von Tartini, gesp. v. J. J.,
3. Concert (G dur) v. Beeth, vorgetr. von Frau Sch.
4. Concert-Arie v. Mendelssohn (ges. v. Frau Nothes),
5. Tempo di Ballo (Scarl.) „des Abends“ u. Scherzo v. Weber, vorgetr. v. Frau Sch.
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6. Sinfonie (No 2 in C) von Schumann
Ist das das vermißte Programm?

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
585ff
 



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