19.12.2019

Briefe



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ID: 17361 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 19.10.1861
 

Liebe Frau Schumann

Vielen Dank für Ihre Nachrichten, über die wir später noch einmal sprechen werden. Ich hatte mich eigentlich seit lange auf ein Mozartsches (etwa c mol) Concert, durch Sie gespielt, gespitzt! Was Ihre Verwaltung meiner Besitzthümer anlangt, so darf ich Ihren klugen und erfolgreichen Operationen meinen anerkennendsten Beifall auszusprechen um so weniger Anstand nehmen, als die Zweckmäßigkeit derselben selbst meinem beschränkten Geldverstande vollkommen einzuleuchten im Stande ist, und bedauere ich nur aufrichtiglichst, daß die Mäßigkeit meiner Mittel der Zweckmäßigkeit der Anlage etc etc Ich bin guter Dinge, weil ich noch einen angenehmen Auftrag auszurichten habe! Eigentlich müßt’ ich mich sehr feierlich dazu anstellen, die Feder will aber vor Vergnügen gar nicht langsamer einherschreiten, und gleich zur Sache fliegen. Nämlich ob Sie Lust haben (soll ich im Namen des Königs und der Königin fragen) vom 1ten December d. J. oder Januar 1862 an sechs Monate lang den Unterricht der Prinzessinnen im Klavierspiel zu übernehmen. Die Herrschaften wünschen es Sich sehr, und schlagen um die Ausführung zu ermöglichen vor: 1tens freie Wohnung, 2tens einen Gehalt von 2 000 Thalern. Sollten Sie etwa 2 bis 3tägigen Urlaub von Zeit zu Zeit wünschen um in benachbarten Städten Concert zu geben, so stände dem nichts im Wege. Inbegriffen wäre als Verpflichtung Ihrerseits noch das Spiel in den Privat-Soiréen der Majestäten. – Die Idee gieng von der Königin aus, welche mir vor etwa 14 Tagen davon sprach, wie gern sie sähe, wenn die guten musikalischen Anlagen der Prinzessinnen durch Sie weiter entwickelt werden könnten. Seitdem habe ich durch Fräulein v. d. Gabelentz weiter über die Sache gehört, und heute durch dieselbe den definitiven Auftrag erhalten, bei Ihnen anzufragen. Sie sind deshalb wohl auch so gütig Ihre Antwort so einzurichten, daß ich sie Frl. v. d. Gtz. zeigen kann, welche die größte Theilnahme für die Angelegenheit zeigt. Mit welcher Spannung ich Ihrer Entscheidung entgegensehe brauche ich wohl nicht erst zu beschreiben. Lassen Sie nicht lange warten, verehrte Freundin! Ich will eben noch eine letzte Probe zu beifolgendem Programm halten.
Herzlichst ergeben
J. J.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
631f.
 

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