19.12.2019

Briefe



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ID: 17408 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 13.05.1868
 

d 13ten Mai.

Liebste Frau Schumann.

Haben Sie herzlichen Dank für Ihren lieben Brief! Wir haben uns sehr gefreut von Ihnen zu hören! Jo war vom 6ten Mai an hier – ist heute Nacht nach Leipzig gefahren – um wegen des Mendelssohn’s Concert zu sprechen – geht morgen nach Berlin – besieht sich dort unsre Wohnung u. das kleine Grundstück welches wir gekauft haben. Ich war – einige Tage nach der schönen Bremerzeit u. der Taufe nach Berlin gegangen – habe dort – nach 10tägigem, angestrengtem Suchen eine gute Wohnung gefunden u. in Lichterfelde – 1/2 Stunde außer Berlin – einen 1 1/2 Morgen großen Wald gekauft. Jo ist nun hin – um sich die Sache anzusehen – u. wenn es ihm <auch> gefällt mit dem Baumeister das Nöthige zu besprechen. Erst geht er nach Leipzig – da es uns leider so schlecht paßt zu Anfang Juni dahin zu gehen – u. er <es> dann möglich [sic], die Herren bereden möchte im Herbst das Conzert zu geben. – Das Schweriner Musikfest ist nämlich verschoben – u. wir haben uns so sehr darauf gefreut nach dem Cölner Fest am Rhein zu bleiben. Die Kinder wollte ich in Coblenz laßen – u. wir hätten dann eine Fußtour gemacht. Es wäre das erste Mal daß wir zusammen eine Sommertour gemacht hätten – u. ich war selig in der Idee. – In Bremen sang ich zum zweitenmal nicht. Ich war in Berlin so abgehetzt, daß ich unmöglich singen konnte – dazu kam, daß ich nicht wißen konnte, wie bald ich mit meinen Geschäften zu Ende <kam> wäre. Hatte Reinthaler 8 Tage vorher abgeschrieben. Er hat mich freilich im letzten Moment krank gemeldet. Herzlich freute uns die Nachricht, daß es Julien beßer geht. Gott gebe ihr doch endlich dauernde Gesundheit! Den Kindern geht es vortrefflich. Die Kleine wird immer fetter u. ist so allerliebst – die Buben leben nun im Garten u. sind so vertraut mit Erde, Sand u. Gras, daß sie täglich 3 Mal von Kopf bis zu Fuß „abgeseift“ werden – u. leider nie darnach aussehen. – Jo hat vor Ihnen von Leipzig aus gleich über das Conzert zu schreiben. – Viele herzliche Grüße sende ich Ihnen – u. den Wunsch daß Ihnen die Kur recht gut anschlagen möge. –
Ihre treu ergebene
Ursi Jo.

Frl. Marie u Felix herzlichste Grüße.
eiligst

  Absender: Joachim, Amalie (771)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
953ff
 



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