19.12.2019

Briefe



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ID: 17409 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 27.05.1869
 

Meine innigverehrte Frau Schumann!

Heute komme ich von Düsseldorf zurück, u. das Erste, was ich hier thue, ist, endlich an Sie zu schreiben, u. Ihnen für das reizende Medaillon zu danken, welches Sie Mariechen schickten. – Die Kleine u. ich haben uns so sehr darüber gefreut – doch brach an Mariechens Geburtstage der Scharlach bei uns aus – u. ich hatte Wochen der Sorge zu verleben, daß ich nicht dazu kam, zu schreiben – u. hat man einmal angefangen einen Brief zu verschieben komt [sic] man so schwer dazu ihn zu schreiben. Verzeihen Sie mir! Ich habe oft dankbar an Sie gedacht! – Das Musikfest war diesmal ein recht unerquikliches. Viele liebe Gesichter fehlten, auf die wir uns gefreut hatten – und die Aufführungen waren höchst mangelhaft. Dazu kam, daß wir ein gräuliches Logis hatten – u. uns so noch unbehaglicher fühlten. Genug, wir konnten in keine Feststimmung kommen. Der letzte Tag mit dem Festsouper war geradezu wiederlich. – Mein Mann blieb noch bei Bendemanns, da er sitzen muß. Ich glaube, das Bild wird sehr gut. Die Stellung gefällt mir besonders <> – u. nur der unglückliche Bart – der übrigens Bend. gefällt, stört mich da wie in natura. – Wie lieb sind Bendemanns! Wie schade, daß man seine Stimme nicht hört. Ich dachte mir oft, wie wohlthuend die klingen müßte. – Frl. Leser sah ich nur sehr wenig. – Bleiben Sie den ganzen Sommer in Baden? Wir gehen im Juni nach Salzburg. Kämen Sie doch auch hin! – Wie Grimm8 erzählte, ist Brahms in Lichtenthal. – Wie schön muß es nun wieder bei Ihnen sein! Die Ihnen gewiß wohlthuende Ruhe u. die schöne Musik mit Brahms u. Levi! – Von Ihrem Pathchen kann ich nur Gutes erzälen [sic]. Marie wird ein großes Mädchen u. wenn sie auch nicht hübsch ist, so wird sie doch recht lieb, u. ist Papa’s Vorzug. Sie hat ein süßes hübsches Stimmchen u. liebt Musik über Alles. Die Buben sind so wild als es für sie nur passend ist, und jetzt sehr gesund. Klein Josephchen macht auch Fortschritte im dick werden, u. ist ein behagliches Kind. – Da Mariechen es liebt sich zu schmücken, so war sie außer sich vor Entzücken über das Medaillon u. ich bin überzeugt ihr kleines Herz ist voll Dankgefühl gegen die Spenderin deßelben – wenn auch halb unbewußt. – Und nun, noch mal die Bitte, seien Sie nicht böse, liebste Frau Schumann,
daß ich so lange schwieg u. <>nehmen Sie u. die Ihrigen meine
herzlichsten Grüße.
Ihre treu ergebene
Ursi Jo.

Freitag d 27ten Mai.

Auch an Frau Grimm, wenn sie noch in Baden ist, viele Grüße. u.
Brahms.

  Absender: Joachim, Amalie (771)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
976f.
 



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