19.12.2019

Briefe



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ID: 17411 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 01.04.1870 bis: 30.04.1870
 

Liebe verehrte Frau Schumann!

Sie müssen mir vor Ihrer Abreise von England noch einen Gefallen, um den ich Sie recht herzlich ersuche – erweisen, u. mir verzeihen, dass ich so frei bin Sie zu bemühen. Ihr Wirth, Mr Burnand hat mir ja das schöne, prachtvolle Glas geschickt, welches mir so große Freude machte; ich habe ihm hundertmal im Geiste dafür gedankt, weil ich aber nach meiner gewohnten trägen Art dem Dankgefühl nie Ausdruck lieh, hat Mr Burnand u. seine Schwester nichts davon erfahren. Nun müsste ich einen schönen englischen Brief schreiben um mich zu entschuldigen u. das kann ich gar nicht – u. helfen kann ich mir nicht lassen, ist auch mein Mann gar nicht gewillt zu thun, da er etwas brummig über den verzögerten Dank ist. Bitte, liebste Frau Schumann, helfen Sie mir! Mr Burnand wird gewiss aus Ihrem Munde den Dank doppelt freundlich aufnehmen u. ich bin Ihnen so dankbar dafür! – Ich will mich gewiss bessern und die Zeit nicht so lange hingehen lassen ohne über erwiesene Freundlichkeiten das schuldige Dankeswort zu sagen! – Ich habe aber gar so schlimme Zeit hinter mir; habe in 14 Tagen zwei Mandelentzündungen gehabt, u. dabei die Passion u. den Israel gesungen. Diese ewigen Halsgeschichten haben den Winter über mich so arg gequält, dass ich oft wirklich ganz verzweifelt war. Das Frühjahr scheint sie auch nicht zu ändern! – Von Fräulein Eugenie kann ich Ihnen erzälen [sic] dass sie sehr wohl aussieht u. sehr, sehr lieb ist. Alle die sie kennen schätzen u. lieben das herzige bescheidene Mädchen sehr. – Dass wir endlich wieder zusammen sind, die Kinder ihren Vater wieder haben ist mir eine grosse Freude u. mein Mann ist glückselig mit seinem Mariechen. Er hat jezt viel zu thun, da neue Schüler aufgenommen werden u. der [sic] neue Semester eben begonnen hat. Gott gebe nur dass das Institut wirklich so herauswächst, wie Jo es glaubt! – Nun, liebste, verehrteste Frau wiederhole ich meine Bitte – u. sein Sie mir nicht böse für die Plage, die ich Ihnen mache. –
Die herzlichsten Grüße an Frl. Marie von Ihrer treuergebenen
Ursi Joachim

Mein Mann grüsst natürlich 1000 mal.

  Absender: Joachim, Amalie (771)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1008f.
 



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