19.12.2019

Briefe



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ID: 17495 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 10.09.1874
 

Liebe, verehrte Frau Schumann!

Herzlichen Gruß und Glückwunsch zu Ihrem Geburtstag, den wir leider, so selten an einem Ort feiern! Ich denke mir Sie jetzt wieder in Ihrem friedlichen Lichtenthal, wo Sie, wie ich wünschen will, heitereres Wetter haben, als wir hier meist erleben. Doch <will> darf ich wenigstens insofern nicht klagen, als wir in dem wunderbar von Lieblichkeit und Großartigkeit zusammengesetzten Thal oft <die> erfreulichste<n> Tage verbracht haben. Manche Lieblings-Aussichten möchte ich Ihnen wohl zeigen dürfen! Die Kinder sind besonders wohl, und meine Frau war, bis auf einen allerdings wieder recht schmerzreichen dreitägigen Anfall, mit der Ausseer Nachkur recht zufrieden. Sie wußte ja vorher, daß noch einmal nach Carlsbad die Gallensteine sich melden würden – möchten sie es bei diesem einen Mal bewenden lassen! – Gar zu gerne wüßten wir direkt, wie Sie Sich nach dem Teplitzer Aufenthalt befinden; es wäre gar lieb wenn Sie uns eine Zeile darüber gönnten, und auch mittheilten, wann Sie wieder nach Berlin zu kommen gedenken. Wir bleiben etwa noch 14 Tage hier, dann reisen wir mit Unterbrechung durch einen etwa zweitägigen Aufenthalt in Salzburg, nach Hause. In Salzburg wollen wir’s Ihnen nachmachen, und wie Sie in Baden dort ein kleines Häuschen kaufen. Jedes Jahr von neuem nachdenken und sorgen, wohin man sich für den Sommer mit den Kindern wendet, und dann schließlich in Bauernhäusern bei mittelmäßiger Nahrung mit ihnen wohnen müssen, ist doch zu lästig und unvernünftig. Wir haben ein allerliebstes Häuschen mit Garten im Aigner Thal gefunden, für etwa 7000 Gulden, das mit einem Anbau für noch etwa 3000 fl sehr comfortabel werden kann. Ob Sie’s wohl nächstes Jahr kennen lernen? Doch ich will nicht so weit mit meinen Wünschen hinaus – Gott gebe jetzt bald ein gutes Wiedersehen! Sie und Ihre<n> Lieben von Herzen grüßend Ihr
verehrungsvoll ergebner
Joseph Joachim

d. 10ten Septbr 1874

Liebste Frau Schumann!

Meine herzlichsten wärmsten Wünsche für Ihr Wohl – muss ich doch selbst zufügen. Gott gebe nur, dass Sie dies Jahr gesund verbringen! – Viele Grüsse an Ihre lieben Kinder, die Sie <> diesen Tag hoffentlich alleumgeben – die besten Grüsse Ihnen selbst aber
von Ihrer
Ursi.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1150ff
 



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