19.12.2019

Briefe



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ID: 17558 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 07.11.1888
 

Verehrte Frau Schumann!

Darf ich mich denn noch auf den 13ten December freuen? Ich hoffe zu Gott, daß Sie sich frisch und aufgelegt zu dem früher gefaßten Plan fühlen. Aber es wird nun auch Zeit das Programm und anderes zu bedenken. Da Sie zu den Variationen mit Horn und Violoncell Lust haben, so wird es wohl mit Klavier allein (ohne Orchester) und dann im herrlich klingenden, vergrößerten Singakademie-Saal sein wo wir spielen. Können Sie nun außer den Variationen ein Solo und ein Ensemble-Stück mit mir spielen? Ich höre über Nizza durch Röntgen von einer neuen D Moll Geigen Sonate von Brahms. Macht Ihnen das nicht Lust, wenn die Finger es erlauben? Gewiß gäbe sie Br. Ihnen gern für das Concert. Nun, was auch immer, erfreuen Sie mich bald mit einer Nachricht. Mir hat es zu leid gethan in Frankfurt nicht zum Erinnerungsfest erscheinen zu können: aber die Prüfung zu den Mendelssohn-Stipendien ließ keine Wahl, da der Tag Monate vorher für Auswärtige angesetzt war. Es war gewiß sehr schön!
Herzlichen Gruß, liebe verehrte Freundin, auch Ihren Kindern von
Ihrem getreu ergebnen
Joseph Joachim

Berlin d. 7ten Novbr

P. S. Heute war ich beim Begräbniß der Mutter von Martin Levy, die im 82ten Jahre plötzlich einer nicht gefährlich scheinenden Erkältung erlag. Der gute, treue Freund war sehr niedergebeugt. Wie wohl wird dem Ihr Besuch thun!

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1351ff
 



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