15.07.2019

Briefe



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ID: 17775 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 19.10.1865
 

Rumpenheim 19 Oktbr 65.
Liebste Frau Schumann!
Sie müßen mich für undankbar halten, daß ich Ihnen für Ihren theuren Brief noch nicht gedankt! aber Sie thun mir unrecht, denn ich habe Sie lieb, und zwar immer. Aber schreiben konnte ich nicht, vor Allem weil ich leider recht träge bin, und dann weil wir beständig Besuche u. vollauf zu thuen hatten. Auch heute sollen diese Zeilen nur kurz sein, u. Ihnen verkünden, daß sehr bald mein langer Besuch Ihnen bevorsteht; denn in aller Kürze wahrscheinlich bereits in einigen Tagen, bin ich in B. und habe die unbeschreibliche Freude, Sie wiederzusehen! Wie mein Herz schlägt wenn ich daran denke! – Bereiten Sie sich auf Überfälle vor. – Es dauerte lange, bis daß ich kam, aber nun komme ich wirklich, und möchte Sie am Liebsten mit Beschlag belegen für die vielleicht ganz wenigen Tage welche Sie noch im Häuschen bleiben.
Sie haben mir genug gefehlt, und nun soll das Zusammensein fast im Beginn enden!? doch beßer noch als garnicht.
Hier hatte ich die Freude, Ihre Elise zu empfangen, die ich ganz munter u. wohl fand und ausquetschte mit Nachfragen nach ihrer lieben Mutter! – Ich bitte Sie inständigst, geben Sie doch ein Conzert in Mannheim mit Joachim, da könnte der Mensch vielleicht hinkommen! Und nun muß ich eilig schließen, mit den wärmsten Grüßen im Voraus; bald mündlich mehr.
Von Herzen die Ihrige,
Anna.

  Absender: Anna, Landgräfin von Hessen (39)
  Absendeort: Rumpenheim
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 64
 



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