15.07.2019

Briefe



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ID: 17793 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 11.02.1883
 

Phruh 11 Febr
Meine liebste Frau Schumann
wie liebevoll, wie gütig waren wieder Ihre theilnehmenden Zeilen, auch ist es mein Herzensdank, den ich Ihnen hierdurch tiefberührt darbringen möchte! Gleich hätte ich dies gethan – allein, ich machte von Neuem so Schweres durch, daß ich mich moralisch u. physisch recht herunter fühlte – u. so strich die Zeit darüber hin! – Bitte, danken Sie doch Ihren lieben Töchtern auf das Wärmste!
Ein treues Vaterherz, einen großmüthigen Beschützer u. Freund habe ich besessen, und verloren – die freundlichen Gestade lebendiger Jugenderinnerungen weichen zurück, u. entschwinden mehr u. mehr; das traute, alte Elternhaus, jetzt wüst u. verödet, wird aufgelöst. Ihm, dem Siechen, Müden, war freilich ein friedliches Entschlummern zu gönnen, seit meiner Mutter Tod stand er vereinsamt da! Der Kaiser beweint nun den letzten Bruder, u. empfand u. zeigte seinen Schmerz in unverhohlener, beinah jugendlicher, ergreifender Art und Weise. – Das überwiegende Gefühl ist: Dankbarkeit, bis an mein Lebensende! –
Unsere Elisabeth weilt, als ausgeflogener Vogel u. wilde Welle, noch immer bei der Großherzogin (eine ihrer vielen Tanten) v. Meklenburg. Werde ihr aber von Ihnen schreiben! – Mit Dank und Gruß, liebe Fr. Schumann, unwandelbar die Ihrige –
Anna.

  Absender: Anna, Landgräfin von Hessen (39)
  Absendeort: Phillippsruhe
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 136f.
 



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