15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 17800 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 14.01.1880
 

Wiesbaden 14 Jan 80
Liebste Frau Schumann
Aufs herzlichste habe ich Ihr wahres u. wohlthuendes Mitgefühl erkannt, hoffe Ihnen morgen Nachmittag, (von 3/4 auf 6 Uhr an) mündlich dafür danken zu können! – Ja! wir haben unsern treusten Freund u. Berather verloren, der mich kannte u. verstand. Wir hatten ihn wirklich lieb, u. gönnen ihm darum, hinweggenommen zu sein aus diesem freudlosen Leben, u. die Wiedervereinigung mit seiner Engelsfrau – der Jammer nach ihr nagte an seinem Herzen, u. nun hat es vielleicht Frieden gefunden. Aber mit weittragenden Folgen trifft dieser Verlust uns Zurückgebliebene, wie durchkämpfe ich meiner Freundin Tod von Neuem, die mit ihm fortlebte, welche Stütze hat auch mein Mann verloren, wie muß durch das Verlassen solchen Trägers u. Leiters unser Haushalt erschüttert beben!
Gegen die Mächte des Schreckens, wie sie am Neujahrsabend wider die Seele anstürmten, war ich nicht gewaffnet, Verstörung u. Schmerz überwältigten mich – erst nach u. nach komme ich zu mir selber. – Er strebte nach dem Lichte, ohne nach der Sonne sich zu drehen!
Sie innigst umarmend, die Ihrige
Anna.

  Absender: Anna, Landgräfin von Hessen (39)
  Absendeort: Wiesbaden
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 111f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.