15.07.2019

Briefe



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ID: 17809 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 08.02.1887
 

Fkfrt 8 Febr 87.
Geliebte Frau Schumann!
Wie bin ich doch erwartungsvoll, ob Sie nach Leipzig, oder vor England, bei mir spielen werden; – je nach Ihrer gewiß nahe bevorstehenden Entscheidung – u. wie bin ich doch hoch begeistert u. im Herzen erfrischt u. erfreut worden, durch Ihr himmlisches Mozart-Spiel! Wahrhaft befreiend wirkte am vorigen Freitag Ihre ewig junge, unvergleichliche Kunst auf mich – auch ich möchte unter Hunderten Ihnen meinen gar so armen, schwachen Dank darbringen für diesen reinen, ungetrübten, ganz unvergeßlichen Genuß, welcher in mir fortlebt! – Schon durch Ihr geliebtes Erscheinen gleich wunderbar bewegt u. ergriffen, wurde ich dies immer mehr, u. förmlich entrückt, durch Hinein versenken u. Vertiefen in diese echte Wiedergabe des Unsterblichen – wie man sie nur allein durch Ihr einziges Spiel so unübertrefflich und ach! leider nur so selten, noch hören kann! – Wäre es doch weniger kurz gewesen! u. hätte noch lange, lange, so fortgetönt! Aber auch nach Ihrem theuren Befinden, zufolge dieser großen, körperlichen u. geistigen Anspannung, drängt es mich, zu fragen, und darf ich eine Ihrer lieben Töchter4 um Bescheid an meine Damen wohl freundlichst bitten. –
O, wie so schnell entfliehen diese kunstgeweihten hehren Momente – Gottlob, dß wir die Sehnsucht u. Erinnerung haben u halten!
Unwandelbar meiner lieben Frau Schumann treu ergeben
Anna.

  Absender: Anna, Landgräfin von Hessen (39)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 156f.
 



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