19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 17824 Brieftext


Geschrieben am: Montag 16.10.1854 bis: 31.12.1854
 

Bitte der Eile wegen das Schmieren zu entschuldigen.

Liebe Frau Schuman!

Den besten Dank wieder zurük für Ihr freundliches Briefchen. Sie sagen Sie wüßten nicht wie Sie dazu kämen das ich so vielen Antheil an Ihnen nähme und Sie so verehre – ich weiß es aber sehr gut, ich würde alle Freunde Herrn Joachims sehr ehren und lieben wie vielmehr, wenn ich es so gut kann wie bei Ihnen – die Sie selber so zu verehren und lieben sind deshalb wundern Sie sich janicht wenn ich Sie zuweilen erschreke. – Das Ihnen Ihr liebliches Kind so gefallen freut mich unendlich ich hoffe Sie werden noch die größte Freude an ihr erleben, besonders wenn doch hie und da von dem Geiste Ihres edlen Mannes etwas in dem Kinde aufblitzen wird. Ich bin auch sehr für das Verziehn von Julchen, denn Kinder in welchen so Schönes und Zartes schläft, die verdirbt man dadurch nicht, sondern man nährt und schützt nur den zarten Keim ihrer Seele dadurch, und werden Sie auch auserlich ein wenig wild, daß legen sie nur zu bald ab, nicht wahr? Ich habe wohl über das Hofconcert erfahren aber besonders, ja allein, das Ihr Spiel sich immer mehr verkläre. Nun leben Sie wohl und haben den herzlichsten Dank für Ihr Briefchen; Ihren lieben Bruder habe ich garnicht fast gesehn, weil meine Mama noch immer so ist das sie nicht oft Menschen vertragt, sonst geht es sehr langsam besser, ich gehe aber manchmal in Concerte das ist meine größte Erhohlung, besonders in die Domchorconcerte, die mich auf das lebhafteste interessieren; da sich die verschiedenen Stimmenlagen, weniger gegen einander unterscheiden lassen wie Instrumente, so müssen sich Laien wie ich erst daran gewöhnen, alles heraus zu erkennen, dan ist es aber oft eine größere Freude, weil die Stimmen oft einheitlicher im Empfinden sind, neulich waren ein paar ganz herrliche Sachen von Lotti e c.t. Der Domchor ist jetzt Modesache, weil König und Königin hineingehn, der Frömigkeit halber, da gehn erst die Frommen hinnein – und dan die ganz Unfrommen, die es bloß der Mode halber thun, und erschreklich gehnen, wie schönes Publicum im Kunsttempel – aber leider giebt es keinen Kunsttempel – bloß liebe Seelen die hinneingehören und in Hannover herum flattern.
Von Herzen Ihre G. Arnim.

  Absender: Arnim, Gisela von, verh. Grimm (106)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 17
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1832 bis 1883 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-028-5
58-60
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.