19.12.2019

Briefe



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ID: 17828 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 01.04.1858 bis: 03.04.1858
 

Liebe Frau Schuman!

Ich war so flüchtig bei Ihnen das ich glaube ich habe die Hauptsache vergessen Ihrem Tochterchen ans Herz zu legen, damit sie es Ihnen bestelle, nemlich wie leid es der Mutter gethan das sie nicht das Vergnügen hatte Sie zu sehn, – sie ist noch zu schwach als das sie sich erlauben dürfte ungewohntere wenn auch noch so willkommene Menschen zu sehn; daß geringste vermag sie noch zu erregen und krank zu machen – dies sollte ich Ihnen mit den allerbesten Grüßen sagen. Auch vergaß ich um die Erlaubniß zu bitten das Julchen wieder am Osterfeiertage hier Eier sucht: Mein kleiner Neffe hat schon darum gebeten und geschrieben, zwar wird sie sich nun ein klein wenig herrab bücken müssen, da sie so groß geworden sein soll, und herrablassen zu dem kleineren Knaben, aber da kann sie ein wenig Geduld lernen die immer im Leben zu brauchen, auch soll sie sich doch daran erinnern, das die beiden Knaben Fifi Vollard und der kleine Achim ihr beim Abschied versicherten, der eine, er wäre so vergnügt mit ihr gewesen das er ihr beide Zöpfe abschneiden möchte der andre, er wäre so vergnügt gewesen das er sie gern in Stücke reißen möchte. Zwei Außerungen die gewiß von Kraft und Stärke ihrer Anhänglichkeit zeigen und ihr damals sehr gefielen. Auch sind die beiden andern Mädchen wohl so groß wie Julchen. – Ich erlaube mir einmal wieder zu Ihnen hervor zu kommen, vielleicht treffe ich Sie, den, es wird mir so große Freude machen Sie zu sehn. Ist Herr Brams noch hier so sagen Sie ihm auch von der Mutter die besten Empfelungen, ich habe ihr gesagt das er die freundliche Absicht hatte sie zu besuchen, und sie bittet, das er es doch in Zukunft einmal thun soll. Mich selber empfehlen Sie auch Herrn Brams – ich war so eilich eben bei Ihnen noch krank von einer schwehren Krankheit, hatte mich die plötzliche Wärme in dem schwehren Mantel so angegriffen, das Ihre ganze Stube und Her Brams vor meinen Augen hin und her schwamen, und ich fürchte ich habe ihm nicht die Theilnahme gezeigt, die ich in Wahrheit für einen Freund von Joachim und Ihnen empfinde, oder erschien gar unartig. Dies ist nun ein ganzer schöner Brief voll Entschuldigunge aber ich hoffe nägstens etwas bessers zu thun Sie selber zu sehn.
In Aufrichtieger
Verehrung
Ihre G. Arnim

An Frau Clara Schumann.
Berlin
Dessauer St. No 2.

  Absender: Arnim, Gisela von, verh. Grimm (106)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 17
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1832 bis 1883 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-028-5
S. 80f.
 



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