15.07.2019

Briefe



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ID: 17906 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 24.03.1859
 

Dresden d. 24t März 59.
Unsere Gedanken u unsere Gespräche sind so viel bei Ihnen geliebte theure Frau, daß ich mir die Freude nicht versage Ihnen u Marie innigste Grüße hinüber zu senden! – Ja, wir meinen immer, wenn wir einen Zug gen Böhmen brausen sehen, wir müßten mit zu Ihnen fliegen u nur die Hoffnung Sie bald wieder zu sehen stillt dann die Sehnsucht u erfüllt dieser Gedanke uns Alle mit wahrster Freude! – Wie fest u sicher unsre Freundschaft sei, fühlte ich längst, aber wahrhaft warm u innig ist sie ja nun erst geworden u im Gefühl der treusten gegenseitigen Liebe blicken auch Sie vielleicht etwas muthiger u frischer vorwärts, so viel schwerer Ihr Leben auch gegen das Unsre freilich ist! – Könnten wir doch recht viel thun es Ihnen zu erleichtern u möchten Sie glauben, daß Dank u Liebe für Sie u Ihre Kinder in uns so warm ist, wie für unsre Nächsten u Liebsten! – Wie schöne Töne mögen Sie gestern Ihrem Flügel entlockt haben u wie viel dachten wir in den Mittagstunden Ihrer u wünschten bis hier hören zu können. – Ihr kostbar Gut u wahre Gottesgabe, so himmlische Töne in die Seelen u Herzen zur Erhebung u Freude zu senden, muß Sie selbst doch immer erheben u stärken, das kann ich garnicht anders denken! – Wenn Sie nur recht wohl sind u die dummen Zähne nicht schmerzen! – Wie viel möchte ich fragen u sagen u wie schwer ist es nach so herrlichem Beisammensein die geliebten Wesen zu entbehren! – [Textverlust] Denken Sie, daß mein Mann u ich ganz sympathisch Dienstag sehr erkältet waren u still zu Haus blieben; mein Mann schlief viel u war dann gestern wieder mobil, ja konnte sogar etwas arbeiten u Rietschel besuchen, den er zum Glück munter u wohl fand. Ich habe auch einen kolossalen Schnupfen u blieb im naßkalten Wetter zu Haus, fühle [Textverlust]prüfen u das Beste behalten! – Nun aber ade, haben Sie Nachsicht mit meinem Geplauder u fühlen Sie nur die treuste Liebe Ihrer ewig dankbaren u treuen Lida B.

Meinen herzlichsten Gruß u die Hoffnung Sie bald wieder hier zu sehen spreche ich hiermit aus. Bleiben Sie nur etwas länger hier.
Ihr
sehr ergebener E Bendemann

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 69f.
 



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