19.12.2019

Briefe



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ID: 17908 Brieftext


Geschrieben am: Montag 28.03.1864
 

Düsseldorf d. 28t März 64 2t Osterfeiertag.
Wie sehr hat es uns gerührt liebe theure Clara daß Sie unsres Felix an seinem Einsegnungstage so schön u so treu gedacht u wie wahrhaft beschämend ist Ihre herzliche Aufmerksamkeit u selten schönes Gedenken der Freunde zu allen wichtigen Zeiten. Tausend herzlichen Dank von Felix u uns Allen! Er hat große Freude an dem schönen Geschenk u spricht Ihnen das selbst bald aus, so wie es paßt – heut soll der Brief doch nicht zu dick werden! Er trägt den Ring immer u ich denke, er soll ihn zum ernstesten schönsten Streben anregen da Sie geliebte Freundin ihn gegeben! – Die Feiertage u besonders der Einsegnungstag sind uns Allen sehr wohlthuend gewesen u ich glaube, auch Julie hat wahre Freude u Erbauung empfunden u es soll unser Zusammenleben dadurch nur noch fester u inniger für ewige Zeiten ein Band treuster Liebe u Freundschaft umfassen! – Gottlob ist sie immer wohl u munter; kleine Anstöße von Erregung oder Ermattung zogen immer schnell vorüber u husten hört man sie sehr selten. Wir denken mit Schrecken daran, wie schnell die Monate ihres Hierseins verfliegen u daß uns die Trennung recht schwer Ihren Brief theilte mir Frl. Leser vorhin theilweise mit u immer u immer wünschen wir uns sehnlichst ferner gutes Ergehen in allen Mühen u recht viel Freude durch beste Erfolge u wärmste Theilnahme! – Die Eltern unsrer lieben Frau Lasch leben in Moskau u würden Ihnen sicher gern in jeder Weise hülfreich sein, ja wie Frau Lasch meint würden sie Sie auch sehr gern bei sich aufnehmen, wenn Sie nicht schon bessere Wohnung haben! – Frau Lasch schreibt deswegen heut direkt nach Moskau. Der Vater hat eine große Apotheke in der Nikolai-Straße u heißt: Herr Carl Ferrein; sie sind Deutsche, die Mutter eine liebe milde Frau u eine unverheirathete Tochter noch bei ihnen! – Natürlich brauchen Sie nicht hingehen, wenn Sie sonst schon Hülfe u Rath genug haben – aber wir dachten, es sei doch gut Ihnen die Addr. dieser lieben Familie zu nennen! – Frau v. Klein schrieb noch ganz beglückt durch Ihren Besuch hieher an meine Schwägerin Schadow u hofft sehr, daß Sie auf der Rückreise nochmal n. Mitau kommen. – Vielen Dank für Ihre Worte a. Mitau; antworten Sie mir hierauf ja nicht! Ihre Zeit ist zu kostbar! –
Mein Mann sagt Ihnen u Marie mit mir die innigsten Grüße. Gottlob ist er wohl! – Bleibt Alles gesund, so denken wir zu Pfingsten in Dresden zu sein; ich war ja über 4 Jahre nicht mehr da u versprach es nun sicher! – Hoffentlich haben wir Sie Anfang Mai hier, denn es wäre zu betrübt, wenn wir uns verfehlten! – Es umarmt Sie in treuer Liebe Ihre Lida B.
An Frau Clara Schumann.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 105ff.
 



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