19.12.2019

Briefe



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ID: 17909 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 07.04.1864
 

Düsseldorf d. 7t April 1864.
Ihre schönen u. warmen Worte an unsern Felix haben uns neulich fast noch tiefer bewegt als Ihr Geschenk herzlich geliebte Clara u ich hoffe, daß gerade der Brief lange u segensreich in unsres Jungen Seele fortwirke! Tausend Dank für Alles Gute, Alles Liebe – Sie beschämten uns oft u immer wieder u kaum weiß man wie man es verdient! – Felix selbst mag Ihnen mündlich danken, brieflich wird es ihm noch so schwer u Sie sind ja auch schon mit Briefen genug belagert! – Möchten Sie nur wieder recht wohl sein u Gott unsre Gebete für Sie um Stärkung u Kraft erhören. Es betrübte uns Alle so sehr, daß Sie wieder angegriffen waren u die Sorgen Sie dann natürlich auch um so mehr drücken. Doch bleiben Sie muthig einzig liebe Frau, laßen Sie sich von der Kunst u Allem Guten recht hinauf heben u kommen Sie recht frisch heim! – Am Dienstag in Cöln sprachen wir mit Hiller u Joachim recht viel von Ihnen u Alles denkt Ihrer in Liebe, in Dankbarkeit u mit innigsten Wünschen für Alles Gute. Joachim war sehr erfreut durch Ihren Brief u erzählte es gleich an Julie. Er spielte herrlicher denn je u hat uns wahrhaft erbaut; leider war die Luft noch immer so rauh, daß mein Mann die Fahrt nicht wagte; ich hätte ihn so gern statt meiner die beiden Mädel begleiten lassen! – Julie ist es gut bekommen u sie ist Gottlob immer munter; Regen u Sonnenschein wechseln bei ihr in Stimmung u im Äußeren wohl oft, doch daran wird sich bei uns nicht gekehrt; das Leben bringt zu viel Geschäfte u Pflichten aller Art jeden Tag u die Zeit ist so kostbar, daß man sich eben mit den kleinen Dingen nicht befaßen darf; eigene Erfahrungen u Thätigkeiten sind ja unser Aller bester [sic] Schule für Ruhe u Zufriedenheit u daran wird auch sie sich mit dem unruhigen Sein u Herzen nach u nach klären. – Die nähere Addr. von Frau Lasch’s Eltern lege ich noch hier ein; da Sie entschieden nach Moskau wollen, nützt sie vielleicht!
Mein Mann grüßt herzlichst; er ist wohl u sehr beschäftigt. Gestern kam der neue Professor der Bildhauerei a. Rom hier an, Herr Wittig, ein alter Schüler Rietschel’s, sehr tüchtiger Mann! – Von unserem Sohn kam bis jetzt gute Kunde! Er lebt ein hartes Kriegesleben, ist aber zufrieden u froh dabei; möchte nur der Krieg bald enden! – Ade Ihre treuste Lida B.
An Frau Clara Schumann.
d. G.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 107ff.
 



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