19.12.2019

Briefe



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ID: 1791 Brieftext


Geschrieben am: Montag 24.11.1834
 

Wie Cordelia komm’ ich zuletzt mit meinen Wünschen. Soll ich wiederholen, was die Verdienstvolleren schon beßer ausgesprochen haben?
Und wären Sie Lear und frügen: was wünschest Du mir – ich antwortete: „nichts – denn ich würde damit nur sagen, daß Ihr gar manches nicht besitzet“ –
Und wenn er dann zürnend auf einem Wunsch bestünde, so würde ich erwidern „Alles, denn Ihr verdient es wahrhaftig“.
Und wäre er damit noch nicht zufrieden, so sagte ich „nun so wünsch’ ich Euch, daß Ihr selbst immer noch etwas zu wünschen hättet! denn ich preise das gütige Geschick darum, daß es an die Stelle eines erfüllten Wunsches stets einen neuen setzt“.
Und so sei es, meine Freundinn! Genüge Ihnen dies Wenige! An solchem Tage sieht man sich lieber ein paarmal länger in die Augen, wenn auch schweigend – denn das Lautsprechen ist in der Kirche verboten. –
Meine Mutter erlaubt sich, ihren Wünschen Bulwers Werke, <>Ernestine und ich das Allegro beizulegen, – letzterer mit der Versicherung, daß der Verfaßer mehr tauge, als sein Werk und weniger, als die, der es zugeeignet ist. –
Ueber das Andere nächstens! Meinem verehrten H. Voigt tausend freundliche Grüße.
Robert Schumann.

Zwickau, am 24sten November 1834.

[BV-A: –]

  Absender: Schumann, Robert (15143)
  Absendeort: Zwickau
  Empfänger: Voigt, Henriette (1630)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
69f.
 



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