19.12.2019

Briefe



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ID: 17910 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 12.06.1864
 

Düsseldorf d. 12t Juni 64.
Einige Worte muß ich für Sie theure Clara der lieben Julie mitgeben, denn es ist mir zu sehr Bedürfniß Ihnen zu sagen, wie schmerzlich ich es empfunden, daß ich Sie dieses Mal garnicht sehen konnte u daß wir uns nun doch lange nicht sprechen können, denn all’ Ihre Pläne führen Sie ja natürlich mehr gen Süden als gen Norden! – Gott gebe Ihnen u den geliebten Kindern nur ferner Alles Gute u recht viel Erfrischung für Körper u Seele in der schönen Sommerszeit! – Haben Sie tausend Dank für die schöne große Phothographie [sic], die ich hier zu meiner Freude im Album gefunden u für alle schönen Gaben, mit denen Sie auch wieder die Kinder erfreut. Vor Allem aber innigsten Dank, daß Sie uns Julie noch so lange gelaßen u dadurch unsrer Marie die Einsamkeit wirklich sehr erleichtert wurde! Wir werden Ihr geliebtes Kind sehr vermissen u die Zeit des Zusammenseins mit ihr uns in vieler Beziehung immer nur schöne u anregende Erinnerung bleiben. – Jetzt werden wir nun ganz einsam mit unserm Rudolf hausen – das Leben wirft eben Vieles rascher auseinander als man geglaubt u wir Eltern können nur froh u dankbar sein, wenn Alles für der Kinder Bestes ausschlägt! – Durch unsern ältesten Sohn haben wir jetzt noch wieder große Freude! Er erhielt für seine Thaten beim Düppler Sturm den Orden: „pour le mérite“ – der beim Militair ebenso wie beim Civil nur selten u für wirklich ausgezeichnete Leistungen gegeben wird! – Man gratulirt uns theilnehmend von allen Seiten u heut steht, so zu sagen, die Thür nicht still bei uns! – Laßen wir uns Alles zum weitern guten Streben als Triebfedern dienen u in Dank u Freude vorwärts schauen! Gottlob ist meinem Mann die Reise sehr gut bekommen, er grüßt Sie auch herzlichst – Julie wird ja Alles Nähere erzählen können, was Sie von uns interressirt! –
Nehmen Sie vorlieb – ich bin von Allem Sprechen u Denken u Sehen wirklich etwas confus u weiß nur daß ich immer gleich treu u warm Ihnen geliebte Herzensfrau anhänge
Ihre alte Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 110f.
 



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