19.12.2019

Briefe



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ID: 17912 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 10.09.1865
 

Düsseldorf d. 10t Sept. 65.
Wie schön ist es meine theure Clara daß man an besonderen Tagen den Menschen, die man besonders liebt so recht von Herzen seine Wünsche für Alles Gute zurufen kann! Und so soll mir auch Ihr Geburtstag immer der Tag bleiben, wo ich Ihnen mit meinem ganzen Hause recht besonders mit wärmsten Wünschen nahe bin u in Gedanken viele Male rufe: „Gott segne Sie u Ihre Kinder wie bisher u helfe Ihnen gnädig weiter“. Wir freuen uns so im Herzen von allen Bekannten u aus den Briefen zu hören, daß dieser Sommer in Ihrem Hause so schön u Allen so wohlthuend vergangen! – Auch Julie’s Brief schien mir diesen ruhigen befriedigten Ton zu haben u trotz ihres immer reizbaren Körper’s scheint sie mir das Glück tief zu empfinden was Sie ja mit Ihnen u den Geschwistern haben muß. – Bitte danken Sie ihr herzlichst für die lieben Worte die sie mir zu meinem Geburtstag gesagt u die mich sehr erfreut! – H. Dietrich konnte garnicht oft genug mir sagen, wie schön ihm die Tage bei Ihnen verflossen sein, wie hübsch u trefflich Ihre Töchter auch musizirt u wie behaglich Ihr Leben u Ihr Haus Allen Freunden erschien! – Sehen Sie geliebte Clara – so haben Sie doch Manches Gute u Befriedigende in Ihrem freilich oft schweren Leben u neben Ihrer Sie über Alles Irdische tragenden Kunst, giebt doch auch das äußere Leben dem Herzen, wie dem Geiste frische Nahrung. – Für Ludwig soll nun der Anfang beim Buchhändler gemacht werden – auch dazu meine Wünsche, möchte er sich glücklich in einen ihn befriedigenden Beruf hineinarbeiten; für den Mann ist ja jede Thätigkeit gut u schön, wenn sie nur mit ernster Kraft u Liebe erfüllt wird! – Heute über 14 Tage wird unser Rudolf eingesegnet; das Letzte unsrer Kinder das dann in die christliche Gemeinschaft tritt u so zu sagen die Kinderschuhe auszieht! Ich weiß, da werden Sie unsrer gedenken u Ihrer Wünsche bin ich gewiß! – Der gute kleine Kerl erfreute uns wieder mit bester Censur u ist nun Ober-Sekundaner. – Ich hoffe daß meine beiden ältesten Söhne Ende d. M. bei uns sind u Ernst erst gegen Mitte Ockt. gen Göttingen auf die Universität zieht. – Marie soll dann auch nach Dresden u Berlin, wo Fanny u der Großvater schon hinziehen u Beide durch ihr stilles Zuhausesein zunächst das Recht auf unsre Besuche u möglichste Erheiterung haben. Auch wir hatten viele liebe Besuche diesen Sommer; Männer wie Droysen u Howard sind anregenster und edelster Natur! – Mein Mann kommt eben a. Scheveningen frisch u braun zurück u wird nun noch 2 Monate sehr fleißig in der Realschule zu thun haben. Hübner war mit ihm und schwärmt heut noch in Holland umher, wird aber auch noch 1 Tag hier bei uns sein u bis Mitte der Woche zu den Seinen nach Dresden heimkehren! –
Verzeihen Sie liebe Herzensfrau, wenn ich zu viel geschwätzt; ich gebe Ihnen u den Töchtern den herzlichsten Kuß u somit ade.
Ihre treue Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 114f.
 



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