19.12.2019

Briefe



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ID: 17927 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 20.07.1869
 

Düsseldorf den 20t Juli 69
Tausend Dank für Ihre lieben Worte gestern theuerste Clara u nun so schnell als möglich die Antwort, die ich mit meinem Mann reiflich überlegte. Auf die Frage: „wieviel kann man auf eine Aussteuer verwenden bei einem Capital von 30,000 Th., also 7 Aussteuern muß man doch rechnen?“ erwidern wir: 1, daß Sie wohl nur auf die Aussteuer der Töchter zu rechnen haben, da die Söhne durch Erziehungs- und Studiengelder etc. schon ihr Theil erhalten. 2 , daß wir für Marie 2000 Th. z. Aussteuer nahmen, so wie auch unsre Geschwister u die Meisten in unsern Kreisen es thaten. – Nach diesem Verhältniß würde ich Ihre Frage: wieviel von einem Capital v. 30,000 Th. an Aussteuer gezahlt werden könnte?, berechnet circa mit 300 Th. beantworten. – Da wir aber unsrer Tochter außerdem auch jährlich fortlaufend eine Summe zu geben im Stande sind, so würde sich das Verhältniß bei Ihnen doch überhaupt anders stellen u wir meinen Sie könnten f. Julie jetzt soviel verausgaben, als Sie eben für recht u nöthig befinden. – Ich glaube auch, daß es in sonst liebevollen u glücklichen Verhältnißen sich immer sehr nach den momentanen Zuständen einrichtet und auf einige 100 Th. mehr oder weniger nicht so genau gesehen wird – es sei denn daß ganz genau getheilt wird u die Eltern die Kinder schon so weit abfinden, als es bei Lebzeiten möglich! – Aber wir meinen, Sie müßten Ihr Capital so wenig als möglich angreifen – u doch wieder werden Sie Julie gern gute Leibwäsche u einige gute Kleider geben wollen. Für dieses erfolgt die Notiz aus Marie’s Rechnungen anbei! – Wir hatten damals noch manche Ausgabe extra, weil ich ja hier das ganze Häuschen restaurieren u mit Öfen u Kochmaschine, Teppichen u. s. w. einrichten mußte (denn [unter uns] Euler’s gaben nichts.) Und wir konnten es, weil leider damals der Großpapa starb u jedes Enkelkind schon eine kl. Summe bekam! –
Es ist uns in Ihrem Brief nicht ganz klar, ob Sie eben doch wohl an eine Eintheilung Ihres Vermögens in 8 Theile für sich u die Kinder gedacht, oder eben nur an die allgemeine Berechnung des 7t Theiles f. Julien’s Aussteuer. Jedenfalls müssen Sie Ihr Vermögen so wenig angreifen als möglich – denn sonst ist ja Ihre Existenz gefährdet! Und doch die der noch unversorgten Kinder! – Laßen Sie uns ferner in dem schönen innigen Vertrauen verkehren, das uns so viel werth liebste Clara u glauben Sie, daß ich nur aus diesem Gefühl Ihnen wegen Eug. ausführlich schrieb! – Frl. Leser hat nichts gesagt u nichts gethan, als mir damals Ihren Brief mitgetheilt, weil sie weiß welche Herzensfreude es mir macht, Näheres von Ihnen zu hören u zu lesen! – Und weil es mir immer so schrecklich leid, daß man Ihnen nichts helfen kann, schrieb ich neulich das Alles! – Von Freitag ab denken wir in Godesberg zu sein u bitten daher poste restante zu schreiben; wir wollen da einige Tage auf nähere Nachricht v. Felix warten u Sonntag mit unserm ältesten Sohn sein, der einige Monate in Cöln zu thun hat! – Ich glaube nicht, daß wir lange in Königstein u Soden bleiben – wir sehen es uns nur gern Mal an, weil es so oft empfohlen wurde, dann aber wollen wir in Münster Hübner’s genießen u mein Mann läuft dann da spaziren über die Berge mit Rudolf! – Frl. Leser war Sonntag noch sehr erkältet u sehr gedrückt durch den schnellen Tod der alten Freundin Fellinger. Solch’ armer Blinden ist es wohl nachzufühlen, wie ungern sie reist; sie sieht ja nichts. - Aber wo gehen Sie hin? das schrieben Sie nicht! – Und dann noch die Bemerkung, ob Sie nicht in Frankf. ebenso gute Wäsche bekommen, wie in Bern [?].
Nun aber ade, damit Sie morgen früh den Brief haben! –
Viele Grüße allen Kindern! – Gott hüte Sie.
Marie u Otto gehen wieder in die Schweiz am Donnerstag. Ihre treue Lida.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 146ff.
 



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